Diese Lenkmatten-Anleitung führt vom Öffnen der Tasche bis zur sicheren Landung. Sie richtet sich an Einsteiger mit einer Zweileiner-Lenkmatte. Das Modell wird über zwei gleich lange Flugleinen gesteuert, besitzt kein starres Gestänge und bildet sein Profil durch einströmende Luft.
Für den ersten Flug brauchst du eine passende Matte, zwei Flugleinen, Handschlaufen oder Griffe, einen Winder und eine freie Wiese. Ein Helfer erleichtert den Start. Lies zusätzlich die Anleitung des konkreten Herstellers, weil Waage, Windbereich und Sicherheitssysteme je nach Modell abweichen.
1. Wetter und Wind prüfen
Wähle gleichmäßigen Wind im unteren bis mittleren Bereich der Herstellerfreigabe. Starke Böen erschweren Start und Steuerung. Gewitter, schlechte Sicht und kräftiger, wechselnder Wind beenden den Flugtag.
Stelle dich mit dem Rücken zum Wind. Ein Windsack oder ein Stück Gras zeigt die Richtung. Hinter Gebäuden, Hecken und Baumreihen entstehen Verwirbelungen. Eine offene Fläche liefert ruhigere Strömung.
Die Größe allein sagt wenig über die Zugkraft. Profil, Fläche, Windstärke und Flugposition wirken zusammen. Hinweise zur Auswahl gibt der Beitrag Lenkmatte welche Größe.
2. Freien Flugraum schaffen
Vor dir liegt das Windfenster, ein gedachter Halbkreis. Die Matte kann jeden Punkt innerhalb dieses Bereichs erreichen. Plane zusätzlich einen Absturzraum und mehrere Schritte Platz hinter dir ein.
Menschen, Tiere, Straßen, Stromleitungen, Zäune und Bäume bleiben außerhalb. Bitte Zuschauer, hinter dem Piloten zu stehen. Kinder bewegen sich nur unter unmittelbarer Aufsicht im sicheren Bereich.
Der Boden sollte frei von Dornen, scharfkantigen Steinen und dichtem Gestrüpp sein. Kurzes Gras schont Tuch und Leinen.
3. Matte vollständig auslegen
Öffne die Tasche und entfalte das Tuch quer zur Windrichtung. Die Eintrittskante mit den offenen Kammern zeigt zum späteren Steuerpunkt. Die Hinterkante liegt auf der windabgewandten Seite.
Beschwere die Hinterkante leicht mit weichem Sand oder den vorgesehenen Sandsäckchen. Die Matte darf sich beim Sortieren nicht selbst füllen und starten.
Prüfe alle Kammeröffnungen. Entferne Gras und streiche umgeschlagene Bereiche glatt. Kontrolliere Nähte, Tuch und Anknüpfpunkte auf sichtbare Schäden.
4. Waage sortieren
Die dünnen Waageleinen verteilen die Last auf die gesamte Matte. Hebe den linken Anknüpfpunkt an und lasse die Schenkel locker nach unten fallen. Wiederhole den Vorgang rechts.
Folge jeder Seite mit dem Blick bis zum Tuch. Die Leinen liegen frei und ohne Umschlingungen. Ziehe einen vermeintlichen Knoten nicht fest. Oft muss nur ein Schenkel über einen anderen gehoben werden.
Beide Waageseiten sollen symmetrisch aussehen. Eine ausgefranste Leine, gelöste Naht oder unklare Einstellung wird vor dem Start nach Herstelleranleitung geprüft.
5. Flugleinen abwickeln
Lege den Winder am Steuerpunkt ab und gehe mit den Leinenenden zur Matte. Wickle beide Leinen gleichzeitig ab. Dadurch bleiben sie parallel und gleich lang.
Viele Sets markieren links rot und rechts blau. Behalte diese Zuordnung vom Anknüpfpunkt bis zur Handschlaufe bei. Entwirre Kreuzungen am Boden, bevor du die Verbindung herstellst.
Die ausführliche Aufbaufolge findest du im Artikel Lenkmatte 2-Leiner Aufbau.
6. Flugleinen befestigen
Bei einer üblichen Verbindung besitzt die Flugleine eine Schlaufe. Führe die Schlaufe als Bucht durch den Waage-Anknüpfpunkt, lege sie über den Stopperknoten und ziehe sie handfest.
Beide Seiten müssen gleich verbunden sein. Zusätzliche Knoten oder lose Enden sind ein Warnsignal. Nutzt dein Modell Clips oder besondere Anschlüsse, folgst du der Herstelleranleitung.
Gehe anschließend den gesamten Leinenweg ab. Entferne Äste und kontrolliere, ob beide Leinen gleichzeitig straff werden.
7. Handschlaufen aufnehmen
Schiebe die Hände nach Anleitung in die Schlaufen. Die Leinen laufen gerade nach vorn. Wickle sie niemals um Finger, Hände oder Arme.
Halte beide Hände vor dem Körper auf gleicher Höhe. Ellenbogen und Schultern bleiben locker. Diese neutrale Haltung lässt die Matte gerade fliegen.
Ziehst du die rechte Hand einige Zentimeter zurück, dreht die Matte nach rechts. Links funktioniert entsprechend. Nach dem Richtungswechsel führst du die Hand wieder nach vorn.
8. Start mit Helfer
Der Helfer stellt sich hinter die Mitte der Matte und hebt die Eintrittskante an. Die Kammern sind geöffnet, das Tuch bleibt symmetrisch. Du gehst zurück, bis die Leinen leicht gespannt sind.
Auf dein Startzeichen lässt der Helfer die Matte los. Er wirft sie nicht. Ziehe beide Hände gleichmäßig und gehe bei Bedarf einen Schritt zurück.
Die Matte füllt sich und steigt. Führe sie zunächst in das obere Drittel. Dort ist der Zug meist geringer als in der Mitte des Windfensters.
9. Allein vom Boden starten
Lege die Matte gerade aus und entferne die Beschwerung. Gehe zum Steuerpunkt und nimm die Schlaufen auf. Bringe beide Leinen langsam auf Spannung.
Ziehe gleichmäßig und gehe ein bis zwei Schritte rückwärts. Die Zellen füllen sich. Sobald das Profil steht, hebt die Matte ab.
Klappt eine Seite ein, brich den Start ab. Prüfe Waage, Kammeröffnung und Ausrichtung. Mehr Kraft löst einen fehlerhaften Aufbau nicht.
10. Geradeaus fliegen und wenden
Nach dem Start bleiben die Hände neutral. Die Matte folgt ihrer aktuellen Richtung. Für eine weite Rechtskurve ziehst du rechts kurz und stellst die Hände anschließend wieder gleich.
Beginne mit großen Bögen im oberen Bereich. Fliege von links nach rechts und zurück. Vermeide den unteren zentralen Bereich, bis du Geschwindigkeit und Zug einschätzen kannst.
Schau auf die Mitte der Eintrittskante. Sie zeigt die Flugrichtung. Kleine, frühe Korrekturen sind wirksamer als spätes Gegenreißen.
11. Die liegende Acht üben
Fliege einen weiten Rechtsbogen und führe die Matte durch die Mitte zur linken Seite. Lenke dort einen gleich großen Linksbogen. Die Bahn ergibt eine liegende Acht.
Diese Figur trainiert Kurven, Gegenlenken und Höhe. Die abwechselnden Drehrichtungen verhindern außerdem eine dauerhafte Verdrehung der Flugleinen.
Fliege langsam und groß. Erst wenn beide Seiten gleichmäßig gelingen, verringerst du den Radius.
12. Zugkraft reduzieren
Lenke die Matte zum seitlichen oder oberen Rand des Windfensters. Dort trifft der Wind flacher auf das Profil, und der Zug nimmt ab.
Ein kleiner Schritt nach vorn reduziert zusätzlich die Leinenspannung. Ein Schritt zurück erhöht sie kurz. Nutze diese Bewegung bewusst und halte den Bereich hinter dir frei.
Bei einer unerwartet starken Böe bleibst du ruhig, führst die Matte zum Rand und landest. Kämpfe nicht im Zentrum gegen wachsende Zugkraft.
13. Kontrolliert landen
Fliege einen weiten Bogen zum linken oder rechten Rand. Senke die Matte dort langsam. Kurz über dem Boden gehst du einen Schritt auf sie zu.
Die Leinen werden locker, und das Tuch setzt weich auf. Sichere die Hinterkante, bevor du die Handschlaufen ablegst. Eine Landung im Zentrum erzeugt mehr Geschwindigkeit und ist für Einsteiger ungeeignet.
Übe die Randlandung auf beiden Seiten. Sie gehört genauso zur Grundtechnik wie der Start.
14. Leinen und Matte einpacken
Löse die Flugleinen von der Waage. Verbinde die Schlaufen miteinander und wickle beide Leinen in einer liegenden Acht auf den Winder. Leichte Spannung hält sie geordnet.
Schüttle Gras und Sand aus den Kammern. Feuchtes Tuch wird zuhause vollständig getrocknet. Falte die Matte locker und ohne harte, immer gleiche Knickkante.
Lagere Tuch und Leinen trocken, kühl und ohne schwere Gegenstände auf der Tasche. Prüfe vor dem nächsten Flug Nähte, Waage und Schnüre erneut.
Typische Anfängerfehler
Zu große Handbewegungen führen zu engen Kreisen. Lenke kurz und kehre zur neutralen Haltung zurück.
Ungleiche Leinen verursachen eine dauerhafte Kurve. Vergleiche beide Seiten und gleiche sie nach Herstellerangabe an.
Zu viel Wind macht jede Übung hektisch. Wähle ruhigere Bedingungen oder eine passende kleinere Matte.
Ein ungeeigneter Flugplatz erzeugt Turbulenzen und Hindernisrisiken. Wechsle auf eine freie Fläche.
Weitere praktische Übungen stehen im Beitrag Lenkmatten-Tricks.
Sicherheit und Regeln
Trage geschlossene Schuhe und bei spürbarem Zug geeignete Handschuhe. Dünne gespannte Leinen können schneiden. Halte sie vom Körper und von Zuschauern fern.
Beachte den angegebenen Windbereich. Fliege nicht bei Gewitter oder in der Nähe von Stromleitungen. In Deutschland gelten die Vorgaben der Luftverkehrs-Ordnung. Prüfe örtliche Beschränkungen, Flugplatznähe und die zulässige Leinenlänge.
Fazit
Eine gute Lenkmatten-Anleitung lebt von einer festen Reihenfolge. Erst Platz und Wind prüfen, dann Tuch, Waage und Leinen sauber aufbauen. Der Start erfolgt gerade, die Steuerung mit kleinen Impulsen und die Landung am Rand.
Übe große Bögen, liegende Achten und beide Randlandungen. Sobald diese Grundlagen ruhig funktionieren, folgen Loop, Tiefflug und weitere Figuren.
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Prüfe Windbereich, Leinen, Lieferumfang und Herstellerhinweise vor dem Einsatz.