Ein Klettersteigset wird mit seiner vernähten Einbindeschlaufe per Ankerstich am dafür vorgesehenen Anseilpunkt des Klettergurts befestigt. Welcher Punkt das bei deinem Gurt genau ist, zeigt ausschließlich dessen Herstelleranleitung. Materialschlaufen, eine Rastöse am Set und die Hülle des Bandfalldämpfers sind keine Einbindepunkte.
Diese Anleitung erklärt den üblichen Aufbau und den Partnercheck. Sie ersetzt weder die Gebrauchsanleitungen deines konkreten Gurts und Sets noch einen Klettersteigkurs. Übe das Anlegen zuerst am Boden und lass die Verbindung von einer fachkundigen Person kontrollieren, bevor du einen Klettersteig betrittst.
Falls du das System erst auswählst, beginne mit unserem Klettersteigset-Ratgeber. Dort werden Gewichtsspanne, Karabinertyp und Bandfalldämpfer eingeordnet.
Vor dem Anlegen: Passt das Set zur Person?
Moderne Klettersteigsets nach EN 958:2017 sind in der Regel für ein definiertes Gesamtgewicht ausgelegt. Der aktuelle DAV-Ausrüstungsratgeber nennt für normgerechte Sets 40 bis 120 Kilogramm aus Körper und getragener Ausrüstung. Maßgeblich bleibt die Kennzeichnung des konkreten Produkts.
Liegt das Gesamtgewicht außerhalb des erlaubten Bereichs, reicht das Klettersteigset allein nicht aus. Der DAV fordert für Personen unter 40 Kilogramm eine zusätzliche Seilsicherung. Auch bei Kindern, fehlender Erfahrung, schwierigen Passagen oder hohem Sturzrisiko kann zusätzliches Sichern erforderlich sein. Diese Technik gehört in die Hände einer Person, die sie sicher beherrscht.
Prüfe außerdem:
- Modellbezeichnung, Gewichtsspanne und Gebrauchsanleitung sind lesbar.
- Das Set ist nicht von einem Rückruf betroffen.
- Bandfalldämpfer-Hülle, Nähte, Lastarme und Einbindeschlaufe sind unbeschädigt.
- Beide Klettersteigkarabiner öffnen und schließen vollständig.
- Das Set wurde nach keinem Sturz weiterverwendet.
- Gurt und Set sind laut Hersteller miteinander kompatibel.
Ein ausgelöster oder möglicherweise belasteter Bandfalldämpfer wird nicht selbst zurückgefaltet. Nimm das Set aus der Benutzung und lass es nach Herstellerangabe beurteilen beziehungsweise ersetzen.
Die Bauteile richtig erkennen
Lege das Klettersteigset vollständig und ohne Verdrehung vor dich. Ein zeitgemäßes Y-Set besitzt:
- zwei Klettersteigkarabiner,
- zwei elastische Lastarme,
- eventuell ein Drehgelenk,
- den verpackten Bandfalldämpfer,
- gegebenenfalls eine ausdrücklich markierte Rastöse,
- eine vernähte Einbindeschlaufe am gurtseitigen Ende.
Die Einbindeschlaufe ist nicht einer der elastischen Arme. Sie sitzt hinter dem Bandfalldämpfer und stellt die tragende Verbindung zum Gurt her. Eine Rastöse sitzt dagegen vor dem Bandfalldämpfer und ist nur für den vom Hersteller vorgesehenen Zweck gedacht.
Verwechsle diese Teile nicht. Ein falsch gewählter Punkt kann den Bandfalldämpfer umgehen oder eine Naht belasten, die dafür nicht konstruiert wurde. Im Zweifel wird nicht geraten, sondern die bebilderte Produktanleitung herangezogen.
Schritt 1: Klettergurt korrekt anlegen
Ziehe zuerst den Klettergurt nach seiner eigenen Anleitung an. Der Hüftgurt sitzt oberhalb der Hüftknochen und so eng, dass er nicht nach unten rutschen kann. Beinschlaufen werden passend zum Modell geschlossen und eingestellt. Alle Schnallen müssen in der vom Hersteller vorgesehenen Richtung geführt und verriegelt sein.
Bei manchen Gurten werden Schnallen zurückgefädelt, andere besitzen selbstblockierende Systeme. Eine allgemeine Textanleitung kann diese Unterschiede nicht zuverlässig abdecken. Unser Beitrag Klettersteiggurt richtig anlegen hilft bei der Orientierung; die letzte Instanz bleibt die Anleitung am eigenen Gurt.
Leere Taschen, Kleidung oder Rucksackgurte dürfen keine Schnalle verdecken. Der Bandfalldämpfer soll später frei vor dem Körper hängen und nicht unter dem Hüftgurt oder Rucksack eingeklemmt sein.
Schritt 2: Den vorgesehenen Anseilpunkt finden
Suche am Gurt den vom Hersteller freigegebenen Punkt für das Klettersteigset. Bei vielen Klettersteiggurten ist das der zentrale Anseilring beziehungsweise die zentrale Anseilschlaufe. Andere Gurtkonstruktionen können abweichen.
Nicht verwendet werden:
- seitliche Materialschlaufen,
- Schnallen oder Gurtbandenden,
- Beinschlaufen allein,
- ein beliebiger Karabiner als Verbindung,
- eine Schlaufe, deren Funktion nicht eindeutig dokumentiert ist.
Materialschlaufen tragen Karabiner oder Zubehör beim Transport. Sie sind nicht für die Sturzlast eines Klettersteigsets ausgelegt. Ein optisch stabiler Ring ist ebenfalls kein Beweis für eine Freigabe.
Schritt 3: Klettersteigset mit Ankerstich einbinden
Der DAV beschreibt die Verbindung so: Die Einbindeschlaufe des Klettersteigsets wird durch den freigegebenen Anseilpunkt des Gurts geführt. Anschließend werden beide Lastarme, beide Klettersteigkarabiner und der komplette Bandfalldämpfer gemeinsam durch diese Einbindeschlaufe gesteckt.
Ziehe die entstehende Schlinge langsam fest. Der Ankerstich soll flach, sauber und ohne Verdrehung am Anseilpunkt liegen. Keine Naht wird über eine harte Kante geklemmt. Der Bandfalldämpfer hängt außerhalb des Gurts, und die beiden Lastarme zeigen frei nach vorn.
Das Durchfädeln kann bei großen Karabinern etwas Platz benötigen. Öffne oder verändere dafür keine vernähte Schlaufe. Verwende auch keinen Schraubkarabiner als bequemere Abkürzung, sofern die Herstelleranleitung diese Verbindung nicht ausdrücklich vorsieht.
Schritt 4: Verbindung vollständig kontrollieren
Bevor die Karabiner an das Drahtseil kommen, prüfst du das Ergebnis mit beiden Händen:
- Die richtige Einbindeschlaufe des Sets wurde verwendet.
- Der Ankerstich liegt am freigegebenen Anseilpunkt.
- Die komplette Schlaufe ist festgezogen und nicht verdreht.
- Bandfalldämpfer und Lastarme laufen frei.
- Keine Materialschlaufe ist Teil der tragenden Verbindung.
- Nichts ist durch einen zusätzlichen Knoten verkürzt.
Hänge die Klettersteigkarabiner beim Zustieg nur an den dafür freigegebenen Parkpositionen ein. Die Salewa-Gebrauchsanleitung für Klettersteigsets warnt davor, Bauteile vor dem Bandfalldämpfer so hinter ihm einzuhängen, dass die Dämpfung umgangen wird. Eine improvisierte Verbindung zu einer Materialschlaufe kann genau diesen gefährlichen Kurzschluss erzeugen.
Schritt 5: Partnercheck am Einstieg
Der Partnercheck ist kein optionaler Blick aus der Entfernung. Nach den zehn DAV-Empfehlungen für Klettersteige werden am Einstieg gegenseitig Gurtverschluss, Verbindung zwischen Set und Gurt sowie Helm kontrolliert.
Geht den Check in fester Reihenfolge durch:
- Helm sitzt und Kinnriemen ist geschlossen.
- Hüftgurt sitzt oberhalb der Hüfte; alle Schnallen sind korrekt geschlossen.
- Einbindeschlaufe und Ankerstich liegen am richtigen Anseilpunkt.
- Bandfalldämpfer ist geschlossen, unbeschädigt und nicht ausgelöst.
- Lastarme sind frei und nicht umeinander verdreht.
- Beide Karabiner öffnen, verriegeln und schließen selbstständig.
- Gewichtsspanne, Gurt und Set passen zur Person.
Ein Check ist besonders wichtig, wenn Ausrüstung geliehen, der Gurt neu oder die Gruppe unter Zeitdruck ist. Genau dann werden scheinbar offensichtliche Schritte am ehesten übersehen.
Schritt 6: Am Drahtseil richtig einhängen
Am Einstieg werden beide Klettersteigkarabiner in das Sicherungsseil eingehängt. Prüfe nach jedem Einhängen, ob der Schnapper vollständig geschlossen ist und kein Stein, Gurtband oder Handschuh die Verriegelung behindert.
An einer Verankerung wird zuerst nur ein Karabiner in das nächste Seilsegment umgehängt. Erst wenn dieser geschlossen ist, folgt der zweite. So bleibt jederzeit mindestens ein Lastarm mit dem Sicherungsseil verbunden. Beide Karabiner gleichzeitig auszuhängen ist ein grundlegender Bedienfehler.
Normalerweise bleiben beide Karabiner im Drahtseil. Zwischen zwei Verankerungen befindet sich nur eine Person, damit eine stürzende Person niemanden darunter trifft. Ausreichender Abstand reduziert zusätzlich das Kollisionsrisiko.
Das Einhängen ist nur ein Teil der Tour. Wetter, Schwierigkeit, Abstand und Rücksicht behandelt der Beitrag sicher am Klettersteig unterwegs.
Häufige Fehler beim Anlegen
Einbindeschlaufe mit Rastöse verwechselt: Die Rastöse ist nicht die Verbindung zum Gurt. Suche die Produktzeichnung und kontrolliere die Lage relativ zum Bandfalldämpfer.
Set an Materialschlaufe befestigt: Materialschlaufen sind nicht zum Einbinden vorgesehen. Das Set gehört an den freigegebenen Anseilpunkt.
Zusatzkarabiner statt Ankerstich verwendet: Ein Karabiner verändert die vorgesehene Verbindung und kann quer belastet werden. Halte dich an die Herstelleranleitung.
Bandfalldämpfer umgangen: Lastarme oder Karabiner dürfen nicht so hinter dem Dämpfer geparkt oder eingehängt werden, dass eine direkte tragende Verbindung entsteht.
Rastschlinge falsch ergänzt: Nutze nur die vom Hersteller vorgesehene Rastöse oder eine fachlich passende Lösung. Unsere aktualisierte Anleitung erklärt, wie eine Rastschlinge am Klettersteig sicher benutzt wird und warum sie vor jeder Bewegung ausgehängt sein muss.
Ankerstich verdreht: Löse die Verbindung am Boden und binde sie sauber neu ein. Nicht erst am Einstieg unter Zeitdruck korrigieren.
Kein Partnercheck: Selbst erfahrene Personen können eine offene Schnalle oder den falschen Einbindepunkt übersehen.
Klettersteigset nach der Tour abnehmen
Löse das Set erst in einem sicheren Bereich ohne Absturzgefahr. Öffne den Ankerstich, ohne an Nähten oder Lastarmen zu reißen. Kontrolliere das Material auf Abrieb, Schnitte, aufgegangene Nähte, Korrosion und Veränderungen am Bandfalldämpfer.
Lass nasse Ausrüstung bei Raumtemperatur trocknen. Direkte Heizung, aggressive Chemikalien und intensive Sonne können Textilien schädigen. Lagere Gurt und Set trocken, dunkel und getrennt von Säuren, Akkus oder Kraftstoffen. Lebensdauer und Prüfintervalle richten sich nach den Herstellerangaben.
Fazit
Das Klettersteigset wird mit seiner Einbindeschlaufe per sauberem Ankerstich am freigegebenen Anseilpunkt des Gurts befestigt. Danach werden Gurt, Verbindung, Bandfalldämpfer und Karabiner im Partnercheck kontrolliert. Am Stahlseil bleiben beide Arme eingehängt; an Verankerungen werden die Karabiner einzeln nacheinander umgesetzt.
Wenn Einbindepunkt, Gewichtsspanne oder Zustand der Ausrüstung nicht eindeutig sind, wird nicht eingestiegen. Lass dir die Handgriffe in einem Klettersteigkurs zeigen und übe sie wiederholt am Boden.
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Prüfe vor dem Kauf Gewichtsspanne, Norm, Gurtkompatibilität und die aktuelle Herstelleranleitung.