Eine Vierleiner-Lenkmatte wird über zwei Hauptleinen und zwei Bremsleinen gesteuert. Dadurch lässt sie sich enger drehen, abbremsen, rückwärts bewegen und kontrollierter landen als eine typische Zweileiner-Matte. Die zusätzlichen Leinen machen den Aufbau aber auch fehleranfälliger: Werden Haupt- und Bremsleinen vertauscht oder läuft eine Waageleine falsch, reagiert der Kite unberechenbar.
Diese Anleitung gilt für klassische Vierleiner-Powermatten mit fester Waage und zwei Quad Handles, etwa ältere HQ4-Beamer- oder Alpha-Modelle. Ein Depower-Kite mit Bar und Auslösesystem funktioniert anders. Wer erst die einfachere Bauart kennenlernen möchte, beginnt mit der Zweileiner-Lenkmatten-Anleitung. Für das konkrete Modell bleibt die Herstelleranleitung maßgeblich.
Was die vier Leinen bewirken
An jedem Handle endet oben eine Haupt- oder Zugleine und unten eine Bremsleine. Die beiden Hauptleinen übertragen den größten Teil der Zugkraft auf die vordere Waage der Matte. Die Bremsleinen greifen an der Hinterkante an.
Ziehst du das rechte Handle etwas zu dir, dreht die Matte nach rechts; links funktioniert es spiegelbildlich. Kippst du zusätzlich das untere Ende eines Handles zum Körper, wird die Bremsleine dieser Seite verkürzt und die Kurve enger. Werden beide Bremsleinen gleichmäßig angezogen, bremst die Matte, bleibt je nach Modell kurz stehen oder fliegt rückwärts.
Bremsleinen sind keine Notbremse mit nur zwei Zuständen. Zu viel Bremse lässt das Profil rückwärts absacken oder einklappen. Zu wenig Bremsspannung verzögert Landung und Rückwärtsstart. Die richtige Einstellung folgt den Herstellerangaben.
Der offizielle HQ4-Guide für Handle-Kites zeigt Anschlüsse, Buchtknoten und Sicherheitssystem für diese Bauart.
Flugplatz, Wind und Ausrüstung prüfen
Eine Vierleiner-Powermatte kann erheblich mehr Zug entwickeln als ein Freizeitdrachen. Wähle eine große freie Fläche ohne Menschen, Tiere, Straßen, Bahnlinien, Stromleitungen oder Gebäude im Windfenster. Zuschauer bleiben hinter dem Piloten. Baumreihen und Häuser erzeugen Turbulenzen.
Prüfe die Windangabe deines konkreten Modells und beginne am unteren Rand des freigegebenen Bereichs. Die Größe allein reicht nicht zur Einschätzung. Fläche, Profil, Leinen, Pilotengewicht, Erfahrung und Böen verändern die Kraft deutlich. Bei Gewitter, amtlicher Windwarnung oder erkennbar starken Böen bleibt die Matte eingepackt. Aktuelle Gefahrenmeldungen liefert der Deutsche Wetterdienst.
Kontrolliere vor jedem Aufbau:
- Tuch, Nähte und Eintrittsöffnungen,
- Haupt- und Bremswaage auf Knoten oder Schäden,
- vier Flugleinen auf Scheuerstellen und gebrochene Fasern,
- Handles, Vorfachleinen und Verbindungsknoten,
- das originale Sicherheitssystem,
- den freien Raum am Boden und in der Luft.
Gespannte Flugleinen können schneiden. Fasse niemals in eine belastete Leine und wickle sie nicht um Finger oder Handgelenk. Flexifoil warnt im Sicherheits- und Wartungshandbuch außerdem vor Personen im Leinenbereich, beschädigten Leinen und dauerhaftem Festbinden eines Landkites an den Körper.
Vierleiner-Lenkmatte aufbauen
1. Matte auslegen und sichern
Lege die Matte quer zum Wind vollständig aus und sortiere die Waage auf der Oberseite. Richte die Eintrittskante für die vom Hersteller vorgesehene Startposition aus. Sichere die Hinterkante mit rundem Sand, einem geeigneten Sandsack oder einem erfahrenen Helfer.
Wasserflaschen, Werkzeugkisten und scharfkantige Gegenstände gehören nicht auf das Tuch. Sie können die Beschichtung beschädigen oder bei einem unbeabsichtigten Start mitgerissen werden.
2. Waage trennen
Hebe die linke und rechte Hauptwaage sowie beide Bremswaagen vorsichtig an. Keine dünne Leine darf um eine andere Gruppe, durch eine Kammeröffnung oder unter der Matte verlaufen. Ziehe kleine Knoten nicht unter Last fest, sondern löse sie geduldig am Boden.
3. Vier Leinen abwickeln
Lege beide Handles in der richtigen Orientierung nebeneinander. Wickle alle vier Leinen in derselben, beim vorherigen Abbau verwendeten Richtung ab. Manche Sets bleiben komplett an Kite und Handles montiert; andere werden auf separaten Windern gelagert. Beide Verfahren funktionieren nur, wenn sie konsequent und nach Anleitung ausgeführt werden.
Gehe die gesamte Leinenlänge ab. Linke und rechte Seite dürfen nicht kreuzen; Haupt- und Bremsleine müssen eindeutig bleiben. Farbmarkierungen helfen, können aber je nach Hersteller abweichen.
4. Leinen verbinden
Verbinde zuerst die Bremsleinen mit den hinteren Anschlusspunkten und danach die Hauptleinen mit der vorderen Waage, sofern die Modellanleitung dieses Verfahren vorgibt. Beim HQ4-Handle-System vermindert diese Reihenfolge das Risiko eines unbeabsichtigten Starts.
Üblicherweise werden die vernähten Schlaufen mit einem Buchtknoten hinter dem vorgesehenen Stopperknoten befestigt. Mache keine zusätzlichen festen Knoten in die Flugleinen. Unsere Anleitung zum Buchtknoten am Lenkdrachen zeigt die Verbindung im Detail.
5. Funktionstest am Boden
Bringe die Leinen nur leicht auf Spannung. Das linke und rechte Hauptleinenpaar muss symmetrisch reagieren; Gleiches gilt für die Bremsleinen. Vier identische Gesamtlängen sind dagegen nicht automatisch richtig, weil Haupt- und Bremswege konstruktiv verschieden sein können.
Kippe beide Handle-Unterseiten vorsichtig zum Körper. Die Hinterkante soll gleichmäßig reagieren. Zieht eine Seite deutlich früher, wird nicht gestartet. Prüfe Knoten, Wickeldreher, Anschlusspositionen und die vom Hersteller vorgegebene Trimmung.
Sicher starten
Für die ersten Starts ist ein erfahrener Helfer sinnvoll. Er richtet die Matte in einer zugarmen Position am Rand des Windfensters auf und steht weder zwischen den Leinen noch davor. Der Pilot trägt beide vorgesehenen Kite-Killer-Schlaufen, hält die Handles im oberen Bereich und gibt ein eindeutiges Startsignal.
Der Helfer lässt die Matte los, ohne sie hochzuwerfen. Der Pilot zieht beide Hauptleinen gleichmäßig an und dosiert die Bremsen nach Anleitung. Sobald das Profil gefüllt ist, wird die Matte ruhig in den oberen seitlichen Bereich gelenkt.
Ein Start mitten durch die stärkste Zugzone kann überraschend kräftig werden. Wenn du schon am Boden gegen die Matte kämpfen musst, ist der Kite für Wind oder Können zu groß. Lande, sichere ihn und wechsle auf weniger Wind oder eine kleinere Fläche. Die Kaufberatung zur richtigen Lenkmattengröße hilft bei der Einordnung.
Lenken und Bremsen üben
Fliege zunächst breite Bögen im oberen Windfenster. Ziehe rechts für eine Rechtskurve und bringe danach beide Hände wieder auf gleiche Höhe. Wiederhole das links. Erst wenn diese Bewegungen ruhig sitzen, unterstützt du die Kurve mit einem kleinen Bremsimpuls am unteren Ende des inneren Handles.
Als nächste Übungen eignen sich:
- langsam von einem seitlichen Rand zum anderen fliegen,
- große liegende Achten oberhalb der Zugzone,
- beide Bremsen kurz und dosiert anlegen,
- wenige Meter kontrolliert rückwärts sinken,
- die Matte wieder sauber in den Vorwärtsflug bringen.
Halte die Handles entspannt vor dem Körper. Große ruckartige Bewegungen verschlechtern die Kontrolle und erschweren es, Unterschiede zwischen Haupt- und Bremsleine zu spüren.
Zieht die Matte dauerhaft zu einer Seite, lande und prüfe das System. Mit einem schiefen Kite weiterzufliegen und ständig gegenzulenken verschleiert nur die Ursache.
Vierleiner kontrolliert landen
Lenke die Matte für die erste Landung an den seitlichen Rand des Windfensters, wo der Zug geringer ist. Ziehe beide Bremsleinen gleichmäßig und zunehmend an, indem du die unteren Handle-Enden zum Körper kippst. Die Matte verlangsamt, bewegt sich rückwärts und setzt mit der Hinterkante auf.
Ziehe die Bremsen nicht schlagartig voll durch. Reagiert eine Seite früher, reduziere den Impuls und richte die Matte neu aus. Bei kräftigem Wind wird mit Helfer am äußersten Rand gelandet, nicht rückwärts mitten durch die Powerzone.
Halte nach dem Aufsetzen die Bremsen aktiv, bis die Matte gegen Wiederstart gesichert ist. Erst dann folgst du dem vorgesehenen Verfahren zum Ablegen der Handles.
Die sogenannten Kite Killer gehören an die vom Hersteller vorgesehenen Bremsanschlüsse. Beim Loslassen der Handles sollen sie beide Bremsleinen aktivieren und den Kite druckarm am Boden halten. HQ4 beschreibt diese Funktion für seine Vierleiner. Ein selbst gebauter Fangriemen ist kein Ersatz für ein geprüftes System.
Rückwärtsstart nur mit Platz und Übung
Liegt die Matte mit der Eintrittskante nach unten, kann sie bei vielen Vierleinern über beide Bremsleinen rückwärts angehoben werden. Sobald sie ausreichend frei ist, wird eine Bremse nachgelassen, damit sich der Kite dreht; danach gehen beide Bremsen kontrolliert zurück in die Flugstellung.
Übe das nur bei leichtem, gleichmäßigem Wind auf einer freien Fläche und nach der Anleitung des Modells. Ein hektischer Rückwärtsstart kann Leinen verdrehen oder die Matte unkontrolliert durch die Zugzone drehen.
Abbauen und Leinen aufwickeln
Sichere zuerst die Hinterkante. Löse die Hauptleinen erst, wenn der Kite nicht mehr füllen kann; ein Anschlussverfahren mit den Bremsleinen zuerst und zuletzt bietet zusätzliche Kontrolle. Prüfe dabei Waage und Tuch auf Schäden.
Viele Piloten legen beide Handles zusammen und wickeln die vier Leinen in einer liegenden Acht darum. Andere verwenden einen Vierleiner-Winder. Entscheidend ist, dass die Handles nicht gegeneinander verdreht werden und die nächste Abwicklung in exakt umgekehrter Richtung erfolgt.
Packe die Matte nur trocken ein. Sand wird ausgeschüttelt, Schmutz mit den vom Hersteller freigegebenen Mitteln entfernt. Nasse Lagerung fördert Geruch, Beschichtungsschäden und Schimmel.
Rechtliche Grenzen
Nach § 19 Luftverkehrs-Ordnung ist Drachensteigen innerhalb von 1,5 Kilometern zur Begrenzung eines Flugplatzes grundsätzlich verboten. Für ein Halteseil von mehr als 100 Metern ist nach § 20 Luftverkehrs-Ordnung eine Erlaubnis erforderlich. Hinzu kommen örtliche Regeln, Schutzgebiete und Vorgaben des Flächeneigentümers.
Fazit
Der sichere Vierleiner-Aufbau folgt einer klaren Reihenfolge: Matte sichern, Waage sortieren, vier Leinen vollständig abwickeln, Brems- und Hauptanschlüsse eindeutig verbinden und die Funktion mit geringer Spannung prüfen. Gestartet wird zunächst am zugarmen Rand, gelenkt mit kleinen Hauptleinen- und Bremsimpulsen und gelandet über beide Bremsleinen.
Die zusätzlichen Steuerungsmöglichkeiten sind der große Vorteil eines Vierleiners. Sie funktionieren aber nur mit passender Trimmung und intaktem Sicherheitssystem. Wenn etwas unsymmetrisch reagiert, wird am Boden geprüft statt in der Luft improvisiert.
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Prüfe vor dem Kauf Modellgröße, Windbereich, Altersempfehlung und ob Quad Handles, vier passende Leinen, Kite Killer und Anleitung enthalten sind.