Eine Lenkmatte fliegen heißt, zwei Leinen mit kleinen, klaren Impulsen zu steuern. Ziehst du rechts, dreht die Matte nach rechts. Ziehst du links, dreht sie nach links. Bringst du beide Hände wieder auf gleiche Höhe, folgt die Matte ihrer neuen Richtung. Diese einfache Logik trägt vom ersten Start bis zu großen Achten und kontrollierten Landungen.
Für den Einstieg eignet sich eine kleine Zweileiner-Matte mit moderater Zugkraft. Ein freier Flugplatz und gleichmäßiger Wind sind wichtiger als eine besonders große Spannweite. Plane für die erste Einheit nur Aufbau, Start, einige weite Kurven und eine ruhige Landung.
Den richtigen Flugplatz wählen
Der gesamte Bereich vor dir gehört zum Flugraum. Dazu kommen der mögliche Absturzbereich und mehrere Schritte Platz hinter dem Steuerpunkt. Menschen, Tiere, Straßen, Stromleitungen, Zäune und Bäume bleiben deutlich außerhalb.
Stelle dich mit dem Rücken zum Wind. Vor dir liegt das Windfenster: ein gedachter Halbkreis, in dem die Lenkmatte fliegt. In der Mitte trifft der Wind kraftvoll auf das Profil. An den Seiten und am oberen Rand sinken Geschwindigkeit und Zug.
Eine Wiese hinter einer Baumreihe wirkt geschützt, liefert aber oft böigen, verwirbelten Wind. Freie Flächen sind berechenbarer. Prüfe zusätzlich Flugplatznähe und örtliche Einschränkungen.
Wind und Mattengröße abstimmen
Jede Lenkmatte besitzt einen angegebenen Windbereich. Beginne im unteren bis mittleren Teil dieser Freigabe. Die Matte soll ihre Kammern zuverlässig füllen, ohne dich zu überfordern.
Windstärke, Böen, Fläche, Profil und Flugposition bestimmen gemeinsam die Zugkraft. Eine kleine Matte kann bei kräftigem Wind anspruchsvoller sein als eine größere Matte bei ruhigen Bedingungen. Entscheide deshalb nie allein nach Spannweite.
Der Ratgeber Lenkmatte welche Größe hilft bei der Auswahl nach Wind und Erfahrung.
Lenkmatte auslegen und Leinen prüfen
Lege das Tuch quer zur Windrichtung. Die offenen Kammern an der Eintrittskante zeigen zu dir. Sortiere die Waageleinen auf beiden Seiten und beschwere die Hinterkante leicht, damit die Matte nicht selbst startet.
Wickle beide Flugleinen gemeinsam bis zum Steuerpunkt ab. Sie müssen gleich lang, unbeschädigt und frei von Knoten sein. Verbinde die Schlaufen mit den vorgesehenen Waagepunkten. Eine typische Verbindung ist der Buchtknoten über einem Stopperknoten.
Halte links und rechts eindeutig auseinander. Farbcodes an Leinen und Handschlaufen vereinfachen die Zuordnung. Der 2-Leiner-Aufbau beschreibt alle Schritte ausführlich.
Start mit Helfer
Ein Helfer macht den ersten Start ruhig und übersichtlich. Er stellt sich hinter die Matte, hebt sie mittig an der Eintrittskante und hält die Kammern offen. Du nimmst die Handschlaufen auf und gehst zurück, bis beide Leinen leicht gespannt sind.
Halte die Hände auf gleicher Höhe. Gib ein klares Startzeichen. Der Helfer lässt die Matte los, ohne sie zu werfen. Du ziehst beide Hände wenige Zentimeter zu dir und gehst bei Bedarf einen Schritt zurück.
Die Matte steigt gerade. Lenke sie in das obere Drittel und halte sie dort mit weiten, sanften Kurven. Startet sie schief, wird gelandet und der Aufbau kontrolliert.
Bodenstart ohne Helfer
Für den Bodenstart liegt die Matte symmetrisch mit offenen Zellen zum Piloten. Entferne die Beschwerung, gehe zum Steuerpunkt und bringe beide Leinen langsam auf Spannung.
Ein gleichmäßiger Zug füllt die Kammern. Zwei ruhige Schritte rückwärts unterstützen den Druckaufbau. Die Matte hebt ab, sobald das Profil stabil ist. Reiße nicht mit beiden Armen nach hinten. Ein harter Impuls lässt eine Hälfte einklappen oder die Matte unkontrolliert beschleunigen.
Bei leichtem Wind kann ein kurzer, gleichmäßiger Rückwärtsschritt helfen. Reicht der Grundwind nicht aus, wird die Einheit verschoben.
Grundhaltung an den Handschlaufen
Führe die Hände etwa vor Hüfte oder Bauch. Die Ellenbogen bleiben locker am Körper. Leinen werden über die vorgesehenen Handschlaufen gehalten und nie um Finger oder Handgelenke gewickelt.
Die neutrale Position bedeutet: beide Hände gleich weit vorn. Von dort reichen oft wenige Zentimeter für einen Steuerimpuls. Nach jeder Kurve kehrst du in die neutrale Position zurück.
Große Armbewegungen erzeugen enge Drehungen und kosten Höhe. Anfänger steuern häufig dauerhaft mit einer zurückgezogenen Hand. Die Matte fliegt dann im Kreis. Ein kurzer Impuls plus Rückstellung ist präziser.
Nach rechts und links lenken
Ziehe die rechte Hand kurz zu dir. Die rechte Flugleine wird kürzer, die Matte dreht nach rechts. Sobald die gewünschte Richtung erreicht ist, stellst du beide Hände gleich.
Für eine Linkskurve gilt dasselbe auf der linken Seite. Übe zuerst breite Bögen im oberen Bereich. Fliege anschließend von links nach rechts und wieder zurück.
Beobachte die Nase beziehungsweise die Mitte der Eintrittskante. Sie zeigt die aktuelle Flugrichtung. Warte nicht, bis die gesamte Matte schief steht. Korrigiere früh und klein.
Die erste liegende Acht
Starte im oberen Drittel und lenke einen großen Rechtsbogen. Führe die Matte durch die Mitte nach links, gib einen linken Impuls und fliege den zweiten Bogen. Die Kreuzung der Acht liegt ungefähr vor dir.
Halte beide Bögen groß. So bleibt genug Höhe für Korrekturen. Die Leinen verdrehen sich bei einer liegenden Acht nicht dauerhaft, weil sich die Richtungswechsel ausgleichen.
Gelingt eine Seite leichter, übe die andere bewusst. Gleichmäßige Achten sind ein besseres Lernziel als schnelle Loops.
Geschwindigkeit und Zug kontrollieren
Die Matte wird im Zentrum des Windfensters schnell und zugstark. Am Rand wird sie ruhiger. Nutze diese Bereiche bewusst. Neue Bewegungen übst du zunächst weiter oben oder seitlich.
Ein Schritt zurück erhöht kurz den Leinendruck. Ein Schritt nach vorn reduziert ihn. Diese Körperbewegung unterstützt den Start und die Landung, ersetzt aber keine saubere Handsteuerung.
Steigt die Zugkraft unerwartet, lenke ruhig zum seitlichen Rand. Laufe nicht hektisch gegen die Matte. Kannst du sie nicht mehr kontrollieren, löse dich entsprechend dem Sicherheitssystem und der Anleitung des Modells.
Kontrolliert landen
Führe die Lenkmatte in einem weiten Bogen an den linken oder rechten Rand. Dort sinken Geschwindigkeit und Zug. Senke sie langsam bis knapp über den Boden.
Gehe einen Schritt auf die Matte zu. Die Leinen verlieren Spannung, und das Tuch setzt weich auf. Sichere die Hinterkante gegen erneutes Starten, bevor du die Schlaufen ablegst.
Eine Landung mitten im Windfenster ist deutlich kraftvoller. Die Randlandung schont Tuch und Pilot und sollte Teil jeder Übungseinheit sein.
Wenn eine Flügelspitze einklappt
Eine eingeklappte Spitze entsteht durch zu wenig Innendruck, böigen Wind oder eine verdrehte Waage. Halte die Hände zunächst neutral und gehe einen kleinen Schritt zurück. Füllt sich die Zelle, fliegst du in einen ruhigeren Bereich.
Bleibt die Spitze geknickt, lande und prüfe die Waage. Weiteres Ziehen belastet die Matte einseitig. Kontrolliere auch, ob eine Kammeröffnung durch Gras oder umgeschlagenes Tuch blockiert ist.
Wenn die Matte abstürzt
Gehe bei einem Sturz einige Schritte nach vorn, um den Leinendruck zu reduzieren. Ziehe das Tuch nicht über den Boden. Sichere die Handschlaufen und gehe zur Matte.
Prüfe Eintrittskante, Zellnähte, Waage und Anknüpfpunkte. Entferne Äste oder Gras vorsichtig. Eine beschädigte Leine oder Naht wird vor dem nächsten Start repariert.
Weiche Lenkmatten überstehen typische Anfängerlandungen oft gut. Sand, Dornen und harte Zugbelastung am Boden bleiben trotzdem materialschädlich.
Sicherheit beim Fliegen
Trage geschlossene Schuhe und bei spürbarem Zug passende Handschuhe. Halte Leinen vom Körper fern. Dünne gespannte Schnüre können schneiden.
Bei Gewitter, stark böigem Wind, schlechter Sicht oder einem überfüllten Flugplatz wird nicht gestartet. Beobachte auch den Raum hinter dir, weil du beim Steuern einige Schritte zurückgehen kannst.
In Deutschland gelten für Drachen die Vorgaben der Luftverkehrs-Ordnung. Erkundige dich vor Ort zu Leinenlänge, Flugplatznähe und besonderen Beschränkungen.
Die erste Trainingseinheit
Plane etwa 20 bis 30 Minuten. Baue in Ruhe auf, starte mit Helfer und fliege fünf breite Bögen pro Seite. Danach folgen mehrere liegende Achten und zwei Randlandungen.
Pausiere, sobald die Unterarme müde werden oder die Konzentration sinkt. Eine kurze, kontrollierte Einheit bringt mehr als langes Gegenhalten in zu starkem Wind.
Weitere Figuren findest du unter Lenkmatten-Tricks. Dort bauen Loop, Tiefflug und Quadrat direkt auf diesen Grundlagen auf.
Fazit
Lenkmatte fliegen gelingt mit kleinen Steuerimpulsen und einer klaren Reihenfolge. Freien Platz wählen, Matte symmetrisch auslegen, Leinen prüfen, gerade starten und zunächst im ruhigen oberen Bereich üben.
Große Achten, neutrale Handhaltung und Randlandung bilden das sichere Grundprogramm. Sobald diese Bewegungen in beide Richtungen funktionieren, kannst du Tempo und Figuren schrittweise erweitern.
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