Die Beaufort-Skala ordnet beobachtbare Auswirkungen des Windes den Stufen 0 bis 12 zu. Sie hilft dabei, eine Windstärke grob einzuschätzen und Messwerte in Meter pro Sekunde oder Kilometer pro Stunde einzuordnen. Für eine konkrete Aktivität zählt zusätzlich die Böe: Ein kurzer Spitzenwert kann deutlich höher liegen als der mittlere Wind.

Die folgenden Bereiche orientieren sich an der aktuellen Beaufort-Skala des Deutschen Wetterdienstes für zehn Meter Höhe über freiem Gelände.

Windstärke-Tabelle von 0 bis 12 Beaufort

0 Bft, Windstille: 0 bis 0,2 m/s, unter 1 km/h. Rauch steigt fast senkrecht auf. Blätter bleiben ruhig.

1 Bft, leiser Zug: 0,3 bis 1,5 m/s, 1 bis 5 km/h. Rauch zeigt die Richtung, Windfahnen reagieren kaum.

2 Bft, leichte Brise: 1,6 bis 3,3 m/s, 6 bis 11 km/h. Wind ist im Gesicht spürbar, Blätter und leichte Windfahnen bewegen sich.

3 Bft, schwache Brise: 3,4 bis 5,4 m/s, 12 bis 19 km/h. Dünne Zweige bewegen sich und Wimpel werden gestreckt.

4 Bft, mäßige Brise: 5,5 bis 7,9 m/s, 20 bis 28 km/h. Zweige und dünnere Äste bewegen sich, Staub und loses Papier werden angehoben.

5 Bft, frische Brise: 8,0 bis 10,7 m/s, 29 bis 38 km/h. Kleine Laubbäume beginnen zu schwanken; auf Seen bilden sich Schaumkronen.

6 Bft, starker Wind: 10,8 bis 13,8 m/s, 39 bis 49 km/h. Starke Äste schwanken, Regenschirme lassen sich nur schwer halten und Leitungen können pfeifen.

7 Bft, steifer Wind: 13,9 bis 17,1 m/s, 50 bis 61 km/h. Ganze Bäume bewegen sich und das Gehen gegen den Wind wird deutlich anstrengender.

8 Bft, stürmischer Wind: 17,2 bis 20,7 m/s, 62 bis 74 km/h. Zweige können brechen, das Gehen im Freien wird erheblich erschwert.

9 Bft, Sturm: 20,8 bis 24,4 m/s, 75 bis 88 km/h. Äste brechen und kleinere Schäden an Häusern sind möglich.

10 Bft, schwerer Sturm: 24,5 bis 28,4 m/s, 89 bis 102 km/h. Bäume können brechen und größere Schäden an Gebäuden auftreten.

11 Bft, orkanartiger Sturm: 28,5 bis 32,6 m/s, 103 bis 117 km/h. Bäume werden entwurzelt und verbreitete Sturmschäden sind möglich.

12 Bft, Orkan: ab 32,7 m/s, ab 118 km/h. Schwere Verwüstungen sind möglich.

Beaufort ist eine Wirkungsskala

Die Skala entstand aus beobachtbaren Windwirkungen. Heute sind den Stufen Geschwindigkeitsbereiche zugeordnet. Eine Beaufort-Zahl ist deshalb keine eigene physikalische Einheit wie Meter pro Sekunde. Sie fasst einen Bereich in einer verständlichen Stufe zusammen.

Beobachtungen funktionieren am besten in freiem Gelände. In einer engen Straße, hinter einem Haus oder am Waldrand wird der Wind umgelenkt und verwirbelt. Ein einzelner bewegter Ast reicht dort nicht für eine verlässliche Einstufung.

Auf See werden andere sichtbare Merkmale genutzt, darunter Wellenlänge, Schaumkämme und Gischt. Die Wertebereiche bleiben vergleichbar, die Beobachtungsbeschreibung unterscheidet sich.

Meter pro Sekunde in km/h umrechnen

Für die Umrechnung von Meter pro Sekunde in Kilometer pro Stunde multiplizierst du mit 3,6. Aus 5 m/s werden 18 km/h. In der Gegenrichtung teilst du km/h durch 3,6. Aus 36 km/h werden 10 m/s.

Gerundete Beaufort-Tabellen können an einer Grenze um einen Kilometer pro Stunde voneinander abweichen. Der DWD weist außerdem darauf hin, dass Warnschwellen an der m/s-Skala ausgerichtet sein können. Für Entscheidungen verwendest du den ursprünglichen Messwert und die offizielle Warnung, nicht eine selbst gerundete Stufe.

Knoten und weitere Einheiten

In Schifffahrt und Luftfahrt wird Wind häufig in Knoten angegeben. Ein Knoten entspricht einer Seemeile pro Stunde und damit 1,852 km/h. Für eine schnelle Umrechnung teilst du km/h ungefähr durch 1,85. Aus 37 km/h werden rund 20 Knoten.

Meilen pro Stunde tauchen vor allem in englischsprachigen Wetterdaten auf. Eine mph entspricht etwa 1,609 km/h. Achte bei Apps und Handwindmessern auf die eingestellte Einheit. Ein versehentlich in mph gelesener Wert kann eine Aktivität deutlich falsch einordnen.

Schreib in Notizen immer Zahl und Einheit zusammen. „Wind 12“ kann 12 km/h, 12 m/s, 12 Knoten oder 12 Bft bedeuten und beschreibt völlig unterschiedliche Bedingungen.

Mittelwind und Böe unterscheiden

Der Mittelwind beschreibt eine über einen Zeitraum gemittelte Geschwindigkeit. Eine Böe ist ein kurzer Höchstwert. Bei wechselhaftem Wetter kann beispielsweise ein mäßiger Mittelwind auftreten, während einzelne Böen deutlich höhere Stufen erreichen.

Für Drachen, Gerüste, Sonnenschirme, Fahrräder und Arbeiten im Freien sind Böen oft entscheidend. Sie erzeugen plötzliche Lasten und verändern die Kontrolle. Prüfe deshalb in Wetterdaten sowohl den erwarteten Wind als auch die Spitzenböen.

Ein Handgerät misst nur an seinem aktuellen Standort und in seiner aktuellen Höhe. Der Beitrag Windmesser kaufen und richtig einsetzen erklärt Messbereich, Ausrichtung und typische Fehler.

Warum Messhöhe und Gelände zählen

Die DWD-Tabelle bezieht sich auf zehn Meter Höhe über freiem Gelände. Direkt über dem Boden bremst Reibung den Wind. Bäume, Hecken, Häuser und Hänge verändern Richtung und Geschwindigkeit zusätzlich.

Halte einen Handwindmesser nicht direkt vor Körper oder Fahrzeug. Beide erzeugen Windschatten und Verwirbelungen. Wähle eine freie Stelle, halte das Gerät nach Anleitung in den Luftstrom und beobachte mehrere Messungen. Eine einzelne Sekunde beschreibt keinen stabilen Windbereich.

Auf einem Hang kann der Wind beschleunigen. Hinter einer Kante entstehen Rotoren und unruhige Bereiche. Für Outdoor-Aktivitäten wird daher an dem Ort gemessen, an dem die Belastung tatsächlich auftritt.

Windstärke beim Drachenfliegen

Jeder Lenkdrachen besitzt einen eigenen freigegebenen Windbereich. Eine allgemeine Aussage wie „3 Beaufort passt immer“ ist unbrauchbar. Fläche, Profil, Gestänge, Leinen und Erfahrung verändern Geschwindigkeit und Zugkraft.

Lies die Herstellerangabe des konkreten Modells und beginne im unteren Teil des Bereichs. Der Ratgeber Powerkite auswählen erklärt, warum Größe und Wind gemeinsam beurteilt werden.

Böiger Wind hinter Baumreihen ist selbst bei niedriger Beaufort-Zahl schwierig. Für Aufbau, Start und Landung hilft die Lenkdrachen- und Lenkmatten-Anleitung.

Windstärke im Alltag einschätzen

Bis 3 Bft sind die Auswirkungen meist leicht erkennbar, ohne den Alltag stark zu behindern. Ab 4 bis 5 Bft bewegen sich Äste deutlich und lose Gegenstände müssen gesichert werden. Ab 6 Bft werden Schirme und leichte Aufbauten problematisch.

Ab 8 Bft nennt die Skala bereits brechende Zweige. Dann geht es nicht um eine interessante Messung im Freien, sondern um Schutz vor herabfallenden Ästen und herumfliegenden Gegenständen. Folge amtlichen Warnungen und meide Wald, Parks sowie exponierte Wege.

Die Beaufort-Stufe allein ist keine individuelle Sicherheitsfreigabe. Hochwasser, Gewitter, Temperatur, Sicht und lokale Schäden können auch bei geringeren Windwerten entscheidend sein.

Wind an Küste, See und Bergen

An der Küste kann eine freie Anströmung gleichmäßiger wirken als Wind im bebauten Inland. Gleichzeitig können Fronten und Schauer kräftige Böen bringen. Beobachte Wasseroberfläche, Flaggen und Messwerte gemeinsam und halte dich an örtliche Warnungen.

Auf Seen entstehen kurze Wellen und Schaumkronen bereits bei Windstärken, die für kleine Boote anspruchsvoll werden. Eine Beaufort-Zahl ersetzt weder Revierkenntnis noch die Grenzen des konkreten Boots und der Besatzung.

Im Gebirge beschleunigt Wind an Graten und Einschnitten. Eine Talstation bildet diese Verhältnisse oft nicht ab. Tourenplanung berücksichtigt deshalb Höhenprognose, lokale Messstationen und mögliche Abbruchpunkte.

Messfehler erkennen

Ein blockiertes Flügelrad, schwache Batterie oder falsche Geräteausrichtung verfälscht die Anzeige. Vergleiche die Reaktion des Windmessers mit sichtbaren Merkmalen. Zeigt das Gerät Windstille, während der Windsack gestreckt steht, stimmt die Messung offensichtlich nicht.

Kalte Geräte können beschlagen, und Regentropfen bremsen kleine Rotoren. Trockne und lagere das Messgerät nach Anleitung. Eine regelmäßige Vergleichsmessung an einem bekannten Standort zeigt, ob die Werte plausibel bleiben.

Für eine Böe lässt du die Maximalwert-Funktion über einen sinnvollen Zeitraum laufen. Ein zufälliger kurzer Ausschlag wird im Zusammenhang mit Mittelwert und sichtbaren Bedingungen beurteilt.

Wetter-App und eigene Messung zusammen nutzen

Eine Wetter-App liefert Vorhersage und großräumige Entwicklung. Der Handwindmesser zeigt den Moment am Standort. Beide Informationen ergänzen sich. Prüfe vor dem Start die Warnlage, den zeitlichen Verlauf und die erwarteten Böen. Miss vor Ort erneut, wenn Gelände oder Bedingungen abweichen.

Notiere Einheit und Messart. Eine Zahl ohne „km/h“, „m/s“, Mittelwind oder Böe lässt sich später kaum sinnvoll vergleichen. Für wiederkehrende Aktivitäten hilft ein kurzes Protokoll aus Standort, Uhrzeit, Mittelwert, Spitzenwert und Beobachtung.

Die Windstärke-Tabelle ist damit ein Übersetzer zwischen Messwert und sichtbarer Wirkung. Gute Entscheidungen entstehen aus Messwert, Böen, Gelände, Wetterwarnung und den Grenzen der jeweiligen Aktivität.

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