Ein Kite Killer ist eine Handgelenksschlaufe für bestimmte feste Vierleiner-Lenkmatten mit Quad Handles. Je eine Schlaufe verbindet das Handgelenk mit dem unteren Bremsanschluss eines Handles. Lässt der Pilot in einer Notsituation beide Griffe gleichzeitig los, ziehen die Schlaufen die beiden Bremsleinen an. Die Matte soll dadurch deutlich Druck verlieren, landen und trotzdem mit dem Piloten verbunden bleiben.
Der Name klingt drastischer als die Funktion: Kite Killer „töten“ den Kite nicht und garantieren keine sanfte Notlandung. Beim Auslösen kann ein kräftiger Ruck an den Handgelenken entstehen. Die Matte ist danach nicht mehr steuerbar und kann Personen oder Gegenstände treffen. Das System muss deshalb passend angeschlossen, vor dem Start geprüft und bei mäßigem Wind geübt werden.
Das Wichtigste in Kürze
- Für feste Vierleiner: Kite Killer gehören an dafür vorgesehene Quad-Handle-Systeme mit zwei Haupt- und zwei Bremsleinen.
- Immer als Paar: Bei dem hier beschriebenen System wird an jedem Handle beziehungsweise jeder Bremsseite eine Schlaufe verwendet.
- Beide Handles loslassen: Nur dann werden beide Bremsleinen möglichst gleichmäßig aktiviert.
- Kein Zweileiner-Zubehör: Ein normaler Zweileiner besitzt keine separaten Bremsleinen.
- Kein Freibrief: Kite Killer ersetzen weder geeigneten Wind noch freie Fläche, Training und kontrollierte Landung.
- Anleitung entscheidet: Anschlusspunkt und Auslöseablauf müssen zum konkreten Modell passen.
Wie funktioniert ein Kite Killer?
Bei einer festen Vierleiner-Matte laufen zwei Hauptleinen zu den oberen Enden der Handles und zwei Bremsleinen zu den unteren Enden. Im normalen Flug hält der Pilot die Handles und dosiert die Bremse durch Kippen der unteren Griffenden.
Die Kite-Killer-Schlaufen sitzen an den Handgelenken und sind mit den unteren Bremsanschlüssen verbunden. Werden beide Handles freigegeben, entfernen sich die Griffe vom Piloten, bis die Sicherheitsschnüre gespannt sind. Dadurch bleiben die unteren Bremsseiten zurück, während die Hauptleinen entlastet werden. Die Schleppkante wird angebremst und die Matte soll druckärmer zu Boden gehen.
HQ beschreibt diese Funktion für seine Handle Kites ausdrücklich so: Die Kite Killer werden an den Bremsleinen befestigt, beide Handles werden gleichzeitig losgelassen und der Schirm landet annähernd ohne Druck. Derselbe Hersteller warnt aber auch vor einem möglichen kräftigen Ruck an den Handschlaufen und davor, dass der Kite anschließend nicht mehr gesteuert werden kann.
„Annähernd drucklos“ ist daher keine Zusage für jede Situation. Befindet sich die Matte mitten in der Powerzone, sind die Leinen falsch angeschlossen oder ist nur eine Seite aktiv, kann der Ablauf deutlich unruhiger sein.
Wie viele Kite Killer braucht man?
Für das beschriebene Vierleiner-System werden zwei Kite Killer benötigt: einer links und einer rechts. Beide Bremsseiten sollen beim Loslassen möglichst symmetrisch belastet werden. Nur eine Schlaufe kann die Matte stark einseitig bremsen. Sie könnte drehen, rotieren oder eine Leine um den Piloten wickeln.
Der alte Tipp, bei einem Zweileiner einen einzelnen Kite Killer an einer Bremsleine zu befestigen, war falsch formuliert. Ein normaler Zweileiner hat lediglich zwei Steuerleinen und keine separaten Bremsleinen. Ein improvisierter Fangriemen an einer Seite kann den Kite weiterfliegen oder rotieren lassen.
Zweileiner, Dreileiner-Trainer, Depower-Kites und feste Vierleiner verwenden unterschiedliche Sicherheitssysteme. Eine dritte Safety-Leine, eine Bar mit Quick Release oder eine Depower-Leash funktionieren nicht wie zwei Kite-Killer-Schlaufen. Der Vergleich Zweileiner oder Vierleiner erklärt die Systeme im Zusammenhang.
Kite Killer richtig befestigen
Die genaue Verbindung richtet sich nach Handle, Schlaufe und Herstelleranleitung. Bei einem dafür vorgesehenen Quad-Handle-System ist die Zuordnung jedoch grundsätzlich eindeutig:
- Das linke und rechte Handle werden anhand der Haupt- und Bremsanschlüsse sortiert.
- Jede Schlaufe wird auf Beschädigungen, offene Nähte, verdrehte Bänder und verschlissene Verbindungsschnüre geprüft.
- Der linke Kite Killer wird mit dem vorgesehenen unteren Bremsanschluss des linken Handles verbunden.
- Der rechte Kite Killer kommt entsprechend an den rechten unteren Bremsanschluss.
- Beide Verbindungen werden spiegelbildlich ausgeführt und gegen unbeabsichtigtes Lösen geprüft.
- Erst danach werden Haupt- und Bremsleinen nach Anleitung angeknüpft.
Die Schlaufen werden nicht beliebig am Metallteil, an der oberen Hauptleine oder am Ende irgendeiner Lenkschlaufe festgezogen. Ein falsch gewählter Punkt kann verhindern, dass die Bremsleinen beim Loslassen wirksam werden.
Der vollständige Aufbau von vier Leinen, Handles und Bremse steht in der Vierleiner-Lenkmatten-Anleitung.
So prüfst du die Funktion vor dem ersten Flug
Ein Notfallsystem wird nicht erstmals bei starkem Wind ausprobiert. Wähle eine sehr große freie Fläche, gleichmäßigen mäßigen Wind und eine Matte, deren Zug für dich sicher beherrschbar ist. Menschen, Tiere, Straßen, Bäume, Zäune und Stromleitungen bleiben weit außerhalb des Flug- und möglichen Absturzbereichs.
Kontrolliere zunächst am Boden, ob beide Schlaufen am richtigen Bremsanschluss sitzen. Lege die vier Flugleinen vollständig aus und schließe jede Seite eindeutig an. Verdreht sich eine Schlaufe um Haupt- und Bremsleine, wird sie neu sortiert.
Der erste Funktionstest erfolgt in einer zugarmen Position nach Herstelleranleitung und möglichst mit erfahrener Begleitung. Beide Handles werden gleichzeitig freigegeben. Beobachte, ob beide Bremsseiten ansprechen und die Matte Druck verliert. Nach dem Test wird nicht sofort neu gestartet: Leinen, Schlaufen und Anschlüsse werden auf Verdrehungen und ruckartige Belastung geprüft.
Landet die Matte nur einseitig, zieht weiter oder bleibt in einer instabilen Position, wird die Ursache am Boden geklärt. Ein zweiter Versuch mit mehr Wind ist keine Fehlerdiagnose.
Wann werden beide Handles losgelassen?
Das System ist für eine Notsituation gedacht, in der der Pilot den Kite mit den Handles nicht mehr sicher kontrollieren kann. Dazu können eine plötzliche Fehlfunktion, ein unlösbares Leinenproblem oder eine unmittelbar drohende Gefährdung gehören. Der konkrete Ablauf richtet sich nach der Anleitung.
Das Loslassen ist keine normale Landemethode. Eine geplante Vierleiner-Landung erfolgt kontrolliert über beide Bremsleinen an einer geeigneten Stelle des Windfensters. Wer bei jeder schnellen Kurve die Handles freigibt, verliert die Steuerung und erhöht das Risiko für die Umgebung.
Auch bei einer Notsituation muss der Pilot wissen, was nach dem Auslösen geschieht. Die Matte bleibt über die Schlaufen mit den Handgelenken verbunden. Zieht sie weiter, kann der Pilot nicht einfach davonlaufen. Deshalb muss der gesamte Sicherheitsablauf einschließlich der vom Hersteller vorgesehenen weiteren Trennung praktisch verstanden sein, bevor der Kite startet.
Grenzen des Systems
Kite Killer machen starken Wind nicht passend. Eine zu große Matte kann die Handgelenke schon beim Auslösen erheblich belasten. Böen können den vermeintlich gelandeten Kite erneut füllen. Auf hartem Boden kann die Matte beschädigt werden; wichtiger ist jedoch, dass niemand von Kite oder Leinen getroffen wird.
Die Schlaufen schützen auch nicht vor Leinenverletzungen. Dünne gespannte Leinen können schneiden und dürfen niemals um Hände oder Körper gewickelt werden. Nach dem Loslassen bleibt der gesamte Leinenbereich tabu, bis der Kite sicher liegt und keine Spannung mehr ansteht.
Kite Killer sind außerdem nicht dasselbe wie ein Quick Release. Ein Depower-System kann je nach Konstruktion über eine Safety-Leine auswehen und besitzt weitere Trennstufen. Zwei Handgelenksschlaufen an Quad Handles arbeiten über die Bremsleinen eines festen Vierleiners. Zubehör zwischen diesen Systemen auszutauschen ist gefährlich.
Die allgemeinen Regeln zu Wind, Flugfeld und Abständen stehen in unserem Beitrag Lenkmatten sicher fliegen.
Kontrolle, Pflege und Gebrauchtkauf
Vor jedem Flug werden Polster, Klettverschluss, Nähte, elastische oder feste Verbindungsschnüre und alle Knoten geprüft. Ausgefranste Schnüre, beschädigte Nähte oder ein Klettband, das nicht zuverlässig hält, sind kein Schönheitsfehler. Das Teil wird ersetzt.
Nach Kontakt mit Sand oder Salzwasser gelten die Pflegehinweise des Herstellers. Bewegliche oder textile Teile müssen sauber und trocken gelagert werden. Eigenmächtiges Kürzen, Verlängern oder Umknoten verändert den Auslöseweg und sollte unterbleiben.
Bei einem gebrauchten Set gehören zwei passende Kite Killer, zwei Quad Handles, vier abgestimmte Leinen und die Anleitung zur Vollständigkeitsprüfung. Ein Paar ähnlich aussehender Handgelenksbänder ist nicht automatisch kompatibel. Anschlusspunkt, Länge und Belastbarkeit müssen zum System passen.
Fazit
Ein Kite Killer ist ein sinnvolles Sicherheitselement an einem dafür vorgesehenen Vierleiner-Handle-Kite. Zwei Schlaufen verbinden die Handgelenke mit den Bremsseiten. Werden beide Handles gleichzeitig losgelassen, soll die Matte stark angebremst und am Wegfliegen gehindert werden.
Die Wirkung hängt vollständig vom korrekten Aufbau ab. Verwende zwei passende Schlaufen, befestige sie an den vorgesehenen Bremsanschlüssen und übe das Loslassen bei mäßigem Wind auf freier Fläche. Bei Zweileinern, Trainer- oder Depower-Kites wird das jeweilige eigene Sicherheitssystem verwendet. Kite Killer ergänzen gute Entscheidungen; sie ersetzen sie nicht.
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*Vor dem Kauf Kompatibilität, Anschlusspunkt, Lieferumfang und Herstelleranleitung des konkreten Vierleiner-Systems prüfen. *