Ob eine Lenkmatte mit Handschlaufen, Powergrips, Quad Handles oder Controlbar geflogen wird, entscheidet zuerst ihr Leinensystem. Ein Zweileiner braucht zwei getrennte Steuerpunkte und kann je nach Hersteller mit Schlaufen oder einer passenden Zweileiner-Bar geflogen werden. Ein Vierleiner mit fester Waage benötigt normalerweise zwei Quad Handles, an denen je eine Haupt- und Bremsleine sitzt. Eine Depower-Matte verwendet wiederum ihre abgestimmte Bar mit Centerline, Quick Release und Sicherheitsleine.
Das Steuerelement ist deshalb kein beliebiges Komfortzubehör. Eine Bar macht aus einem Zweileiner keinen Vierleiner, zwei Quad Handles ersetzen keine Depower-Bar und ein fremdes Sicherheitssystem funktioniert nicht automatisch an jeder Matte. Die richtige Empfehlung beginnt mit Modell, Waage, Leinenzahl und Herstelleranleitung.
Schnelle Entscheidung nach Leinensystem
- Zweileiner-Lenkmatte: zwei Handschlaufen, zwei geeignete Powergrips oder eine ausdrücklich kompatible Zweileiner-Controlbar
- Fester Vierleiner: zwei Quad Handles, gegebenenfalls mit dem vorgesehenen Kite-Killer-System
- Trainerkite mit Bar: die zum Modell gehörende drei-, vier- oder fünfleinige Bar samt Sicherheitssystem
- Depower-Kite: ausschließlich eine kompatible Depower-Bar mit passender Leinenlänge, Safety und Quick Release
Zähle nicht nur die sichtbaren Schnüre an einem gebrauchten Set. Verfolge die Anschlusspunkte an der Waage. Haupt- und Bremsleinen können an einer Bar zusammengeführt sein, und eine einzelne Sicherheitsleine ist keine normale Steuerleine.
Ungepolsterte Handschlaufen
Einfache Gurtbandschlaufen sind leicht, klein und vermitteln direkten Kontakt zu einem Zweileiner. Sie können an kleinen Lenkdrachen und wenig ziehenden Matten gut funktionieren, sofern sie zum Modell gehören und sauber vernäht sind. Die alte Faustregel „ungepolstert unter 1,8 Meter“ ist aber zu grob: Auch eine kleine schnelle Matte kann bei stärkerem Wind unangenehm ziehen.
Prüfe Breite, Kanten und Naht. Ein schmaler Gurt konzentriert den Druck am Handgelenk. Verdreht sich die Schlaufe oder wandert sie in die Handfläche, wird die Belastung ungleichmäßig. Schneidet sie ein, ist das nicht nur ein Komfortproblem, sondern ein Hinweis auf zu viel Zug, eine unpassende Schlaufe oder eine ungeeignete Windstärke.
Wickle die Flugleine niemals zusätzlich um Hand oder Finger. Dadurch lässt sie sich bei einem Problem nicht schnell freigeben und kann unter Last schneiden.
Gepolsterte Lenkschlaufen
Gepolsterte Schlaufen verteilen den Druck auf eine größere Fläche. Aktuelle HQ-Lenkschlaufen für stärker ziehende Zweileiner verwenden verstärkte Polsterung, doppelt vernähtes Gewebe und eine geflochtene Anschlussleine. Das macht sie für kräftigere Zweileiner angenehmer, aber nicht automatisch für jede Zugstärke sicher.
Die Schlaufe sollte am Handgelenk anliegen, ohne die Durchblutung einzuschränken. Zu große Schlaufen rutschen in die Hand, zu kleine lassen sich unter Belastung schlecht ablegen. Links und rechts sollten eindeutig markiert sein. Kontrolliere nach Sand- oder Strandflügen besonders Nähte, Kanten und Anschlussknoten.
Polsterung verändert auch das Gefühl. Sie dämpft Druckspitzen, kann aber feine Rückmeldung etwas weicher machen. Das ist eine persönliche Ergonomiefrage; die Modellfreigabe bleibt wichtiger als „direkt“ oder „komfortabel“.
Powergrips für Zweileiner
Powergrips sind kurze starre oder halb offene Griffe mit je einem Anschluss für eine Zweileiner-Leine. Sie verteilen die Last anders als eine Schlaufe und erlauben einen festen Handgriff. Manche Piloten mögen die definierte Position, andere empfinden gepolsterte Schlaufen als natürlicher.
Entscheidend sind glatte Kanten, rutschfester Griff, sichere Anschlussleine und ausreichende Festigkeit. Ein Powergrip darf nicht mit einem Quad Handle verwechselt werden. Ihm fehlt der zweite Anschluss für die Bremsleine. Wird ein Zweileiner kräftig, löst ein längerer Hebel das Grundproblem der Zugkraft nicht.
Zweileiner-Controlbar
Eine Zweileiner-Bar verbindet die beiden Steuerseiten über eine Stange. Zum Lenken ziehst du eine Seite zu dir und drückst die andere in Richtung Matte. Die Bar wird nicht wie ein Autolenkrad gedreht. Beide Hände bleiben an einem gemeinsamen Steuerelement, was manche Einsteiger als übersichtlich empfinden.
Der Nachteil ist die Kopplung: Die Hände können ihren Abstand nicht unabhängig verändern. Schlaufen erlauben feinere separate Bewegungen und lassen sich bei einem Problem einzeln ablegen. Ob Bar oder Schlaufen besser gefällt, hängt vom vorgesehenen Modell und vom Piloten ab.
Barbreite und Leinenführung müssen zur Matte passen. Eine breitere Bar erzeugt bei gleichem Handweg mehr Lenkunterschied und kann die Matte nervöser machen. Nutze daher nicht irgendeine „günstige Lenkstange“, sondern die vom Hersteller genannte Größe. Mehr Details stehen in unserem Ratgeber Lenkmatte mit Bar richtig auswählen.
Manche Zweileiner-Bars besitzen ein eigenes Safety-System. Es gehört genau nach Anleitung montiert und vor jedem Flug ohne Last getestet. Eine einfache Bar ohne Safety wird nicht durch einen beliebigen Karabiner oder eine Handschlaufe zu einem sicheren System.
Quad Handles für feste Vierleiner
Ein Quad Handle trägt am oberen Ende die Hauptleine und am unteren Ende die Bremsleine derselben Seite. Durch Ziehen des gesamten Griffs lenkst du über die Hauptleine; durch Kippen des unteren Endes aktivierst du die Bremse. Zwei Handles steuern damit vier Leinen unabhängig.
Länge, Biegung und Position der Anknüpfpunkte beeinflussen Hebel und Bremsweg. Ein längerer Griff erzeugt bei gleicher Handbewegung mehr Bremsleinenweg. Das kann zu einer großen Matte passen, muss aber nicht zur kleinen Einsteigermatte passen. Wähle die Handle-Größe nach Herstellerangabe.
EVA- oder Schaumstoffpolsterung verbessert den Griff. Prüfe das darunterliegende Rohr trotzdem auf Verformung, Korrosion oder scharfe Kanten. Die Tampen an Ober- und Unterseite dürfen nicht angescheuert sein. Links und rechts müssen samt Haupt- und Bremsanschluss eindeutig zugeordnet werden.
Unsere Vierleiner-Lenkmatten-Anleitung erklärt Aufbau, Griffhaltung, Bremsen und Landung. Zum Einpacken hilft die Anleitung, Vierleiner-Leinen paarweise aufzuwickeln.
Kite Killer an Quad Handles
Ein Kite Killer ist eine Handgelenk-Sicherung, die beim Loslassen der Handles die Bremsleinen anzieht und die Matte druckarm zu Boden bringen soll. Beim passenden HQ-System wird er an beiden Handles beziehungsweise Bremsleinen verwendet. Nur eine Seite anzuschließen kann die Matte unkontrolliert drehen lassen.
Ein Kite Killer ist kein universeller Ersatz für Training und freie Fläche. Er muss zur Matte, zu den Bremsleinen und zum vorgesehenen Auslöseablauf passen. Teste ihn vor dem Start bei wenig Wind. Die Handgelenksbänder müssen sich im Notfall selbst lösen lassen, wenn die Matte nach dem Abbremsen noch gefährlich zieht.
Die Sicherheitsregeln für Lenkmatten gelten auch mit Safety. Springen, Mountainboard oder Buggy sind eigenständige Traktionsdisziplinen mit zusätzlicher Schutzausrüstung und Ausbildung. Quad Handles allein machen eine Freizeitmatte nicht dafür geeignet.
Depower-Bar ist kein Zweileiner-Zubehör
Eine Depower-Bar arbeitet mit Front- und Steuerleinen, Centerline, Trimmer, Chickenloop, Quick Release und Sicherheitsleine. Der Pilot ist gewöhnlich über ein Trapez eingebunden. Durch Heranziehen oder Wegschieben der Bar verändert sich die Anstellung und damit die Leistung, soweit das jeweilige System dies vorsieht.
Diese Bar darf nicht durch eine Zweileiner-Controlbar ersetzt werden. Leinenlängen, Aufteilung, Flag-out-Weg und Auslösung sind sicherheitsrelevant. Selbst Bars derselben Marke können zwischen Generationen inkompatibel sein. Vor einem Austausch vergleichst du Modelljahr, Barbreite, Leinenplan, Safety-Weg und Freigabe des Herstellers.
Das Quick Release wird nach Anleitung zusammengebaut und vor jeder Nutzung ausgelöst. Ein System, das im Stand klemmt, gehört nicht in die Luft. Sand, Salz, verdrehte Leinen und falsch montierte Safety-Leashes können die Funktion beeinträchtigen.
Ergonomie und Qualität prüfen
Unabhängig vom System kontrollierst du:
- saubere, doppelte Nähte an belasteten Schlaufen
- glatte Anknüpfpunkte ohne Grate
- intakte Tampen und Knoten
- rutschfeste, unbeschädigte Polsterung
- eindeutige Links-rechts-Farben
- passende Griff- oder Barbreite
- freien Lauf aller Safety- und Bremsleinen
- eine Anleitung für Montage und Auslösung
„Markenprodukt“ ersetzt diese Prüfung nicht, und ein niedriger Preis beweist keinen Mangel. Umgekehrt ist ein hochwertiger Griff wertlos, wenn er zum Leinensystem nicht passt. Kaufe nach Kompatibilität, Zustand und dokumentierter Funktion.
Vor dem ersten Flug
Lege Matte und Leinen vollständig aus. Verbinde die Steuerung mit den vorgesehenen Buchtknoten. Prüfe jede Leine vom Griff bis zur Waage. Haupt- und Bremsleinen dürfen nicht vertauscht oder durch andere Leinen geführt sein.
Teste Lenkweg und Safety bei gesicherter Matte und wenig Wind. Starte erst, wenn die Bewegungen eindeutig sind. Eine neue Bar oder neue Handles lernst du nicht bei der oberen Windgrenze kennen. Bleibt eine Auslösung unklar, wird nicht gestartet.
Fazit: Erst System, dann Komfort
Für einen Zweileiner sind passende Schlaufen die flexibelste und direkteste Lösung; eine kompatible Bar kann das Handling vereinfachen, koppelt aber beide Hände. Quad Handles gehören an feste Vierleiner und ermöglichen getrennte Haupt- und Bremssteuerung. Depower-Matten benötigen ihre abgestimmte Bar samt vollständigem Safety-System.
Wähle Polsterung, Griffdurchmesser und Barbreite erst, nachdem die Kompatibilität geklärt ist. Das beste Steuerelement ist nicht das teuerste, sondern dasjenige, das mit Waage, Leinen, Windbereich und Sicherheitsablauf deiner konkreten Matte zusammenarbeitet.
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Vergleiche vor dem Kauf Leinenzahl, Modellfreigabe, Griff- oder Barbreite und vorhandenes Safety-System. Ähnlich aussehende Produkte können für Zweileiner, feste Vierleiner oder Depower-Kites bestimmt und untereinander inkompatibel sein.