Eine Lenkmatte mit Bar kann bequem und übersichtlich zu fliegen sein. Die Bar ist aber kein universeller Griff, der an jede Matte passt. Eine einfache Zweileiner-Controlbar, eine Safety-Bar für einen Trainerkite und eine Depower-Bar unterscheiden sich bei Leinenzahl, Anschlusspunkten und Sicherheitssystem grundlegend. Eine falsche Kombination kann unkontrollierbare Steuerbefehle auslösen oder die vorgesehene Safety außer Funktion setzen.
Vor dem Kauf muss deshalb zuerst das System der Matte feststehen. Modellname, Generation, Waage, Zahl der Flugleinen und Herstelleranleitung sind wichtiger als Barbreite, Farbe oder Preis.
Die schnelle Kaufentscheidung
- Kleine Zweileiner-Funmatte: Nur eine ausdrücklich passende Zweileiner-Bar mit zwei getrennten Steuerenden verwenden.
- Zweileiner-Set mit Safety Leash: Bar, Leinen und Leash als abgestimmtes System des konkreten Modells behandeln.
- Vierleiner mit fester Waage: Normalerweise Quad Handles oder eine ausdrücklich freigegebene Safety-Bar verwenden, keine beliebige Zweileiner-Bar.
- Depower-Matte: Ausschließlich eine kompatible Depower-Bar mit passenden Front-, Back- und Safety-Leinen, Quick Release und korrektem Chickenloop.
- Unbekannte gebrauchte Matte: Nicht nach Optik improvisieren. Erst Modell und Anknüpfpunkte identifizieren oder fachkundig prüfen lassen.
Einfache Zweileiner-Controlbar
Eine reine Zweileiner-Bar hat links und rechts je einen Steuerpunkt. Von jedem Barende führt eine Flugleine zu einer Seite der Matte. Wird das rechte Ende herangezogen, verkürzt sich die rechte Seite und die Matte dreht nach rechts. Für eine Linkskurve gilt das spiegelbildlich.
HQ führt beispielsweise eine 50 Zentimeter breite Controlbar ausdrücklich für Rush, Symphony, Symphony Beach und andere kleinere Zweileiner. Diese konkrete Zuordnung ist wichtiger als die pauschale Aussage, eine 50-Zentimeter-Bar passe zu jeder Matte. Barbreite, Vorleinen und Anschlüsse müssen zur Geometrie des Modells passen.
Eine einfache Zweileiner-Bar besitzt nicht automatisch ein vollständiges Sicherheitssystem. Zwei Leinen und ein Schaumstoffrohr machen noch keine Safety-Bar. Prüfe, was beim Loslassen tatsächlich passiert und ob der Hersteller eine zusätzliche Leash vorsieht.
Zweileiner-Bar mit Safety Leash
Einige flugfertige Zweileiner werden ab Werk mit Bar und Handgelenk-Leash geliefert. Die aktuelle Paraflex Sport 2.3 ist ein Beispiel: Zum Set gehören eine Zweileiner-Bar, zwei 20 Meter lange Leinen und eine Safety Leash. Diese Leash wird nach der Anleitung des Modells angeschlossen und vor dem Start geprüft.
Die Leash ist kein beliebiges Fangband. Entscheidend ist, an welcher Leine oder welchem Auslösepunkt sie sitzt und wie die Matte nach dem Loslassen druckarm zu Boden kommt. Eine Leash, die nur die gesamte Bar am Handgelenk hält, kann ein anderes Verhalten erzeugen als ein System, das eine bestimmte Leine freigibt. Übertrage den Aufbau deshalb nicht von einem fremden Modell.
Wie sich eine barbestückte Paraflex von einer Matte mit Schlaufen unterscheidet, zeigt der Vergleich von HQ Symphony Beach und Paraflex Sport.
Safety-Bar für feste Waage
Bei größeren Trainermatten oder älteren Powerkites kann eine Bar zusätzlich Haupt- und Bremsleinen führen. Die alte HQ-Safety-Bar-Anleitung beschreibt Hauptleinen, Bremsleinen, eine Handgelenkschlaufe und einen eigenen Quick Release. Beim Loslassen der Bar soll das vorgesehene Safety-System die Matte landen; bleibt eine Gefahr, kann das System am Auslöser vollständig getrennt werden.
Das ist technisch etwas anderes als eine einfache Zweileiner-Bar. Die Bremsleinen müssen mit der Waage und der Safety-Funktion des Kites zusammenpassen. Falsche Längen oder vertauschte Anschlüsse können die Bremsen dauerhaft anziehen oder beim Start unerwünschte Lenkbefehle erzeugen.
Eine solche Bar darf nur nach ihrer konkreten Anleitung aufgebaut werden. Die alte Dokumentation ist keine pauschale Empfehlung für heutige Matten, sondern zeigt, warum eine Safety-Bar als Gesamtsystem betrachtet werden muss.
Depower-Bar
Eine Depower-Bar gehört zu einer eigenen Kite-Klasse. Sie führt normalerweise Front- und Backleinen, eine Center- oder Depower-Leine, einen Chickenloop und mindestens einen Sicherheitsauslöser. Durch Heran- und Wegschieben der Bar wird der Anstellwinkel des Kites verändert. Das ist nicht dasselbe wie das reine Links-rechts-Lenken einer Zweileiner-Funmatte.
Auch zwei ähnlich aussehende Depower-Bars sind nicht automatisch austauschbar. Leinenlänge, Frontline-Split, Safety-Führung, Weg des Depower-Tampens, Quick Release und Anknüpfpunkte müssen zusammenpassen. Eine billige fremde Bar ist keine Ersparnis, wenn der Kite danach schief steht oder nicht zuverlässig ausweht.
Der allgemeine Ratgeber zu Lenkschlaufen, Bar und Quad Handles ordnet die Steuersysteme noch einmal nebeneinander ein.
Barbreite richtig wählen
Eine breitere Bar erzeugt bei gleicher Handbewegung grundsätzlich einen größeren Längenunterschied zwischen linker und rechter Seite. Das kann einen größeren oder trägeren Kite direkter drehen lassen. Eine zu breite Bar kann einen kleinen, schnellen Kite dagegen nervös machen. Eine zu schmale Bar verlangt mehr Bewegung und kann das Lenkgefühl träge erscheinen lassen.
Trotzdem lässt sich keine sichere Formel allein aus der Spannweite ableiten. Maßgeblich ist die Freigabe für Modell und Größe. Bei einer gebrauchten Bar werden außerdem die Barenden, Vorleinen und Knotenpositionen mit der Anleitung verglichen. Selbst eine passende Breite hilft nicht, wenn die Vorleinen unterschiedlich lang oder falsch angeknüpft sind.
Leinenlänge und Leinenstärke
Zur Bar gehören nicht irgendwelche zwei oder vier Schnüre. Die Flugleinen müssen gleich lang, ausreichend fest und für das System vorgesehen sein. Kürzere Leinen verkleinern das Windfenster und verändern die Reaktionszeit. Längere Leinen geben der Matte mehr Weg durch das Windfenster. Beides kann das Fluggefühl deutlich ändern.
Leinenstärke wird nicht nach Gefühl gewählt. Modell, Größe, Windbereich und Pilotengewicht wirken zusammen. Dickere Leinen erhöhen außerdem Luftwiderstand und machen eine kleine Matte bei schwachem Wind nicht automatisch besser. Kaufe ein Ersatzset nach Herstellerdaten oder nachweislich passender Spezifikation.
Vor jedem Start liegen alle Leinen vollständig aus. Vergleiche linke und rechte Seite, kontrolliere Scheuerstellen und entferne keine Knoten unter Last. Der Buchtknoten am Lenkdrachen ist nur dann zuverlässig, wenn Schlaufe, Knotenpunkt und Material unbeschädigt sind.
Kann eine Matte mit Schlaufen auf Bar umgebaut werden?
Bei einem Zweileiner ist ein Umbau möglich, wenn der Hersteller die Bar für genau diese Modellfamilie nennt. Beide Flugleinen werden dabei nicht miteinander verbunden, sondern bleiben an getrennten Barenden steuerbar. Sie müssen nach dem Umbau weiterhin gleich lang sein und ohne verdrehte Vorleinen laufen.
Nicht sinnvoll ist ein Umbau nur aufgrund passender Knoten. Eine mechanische Verbindung sagt nichts über Barbreite, Safety oder zulässige Zugkraft. Vierleiner werden ebenfalls nicht zu Zweileinern, indem zwei Leinen zusammengelegt werden. Dabei gehen Bremssteuerung und vorgesehene Sicherheitsfunktion verloren.
Gebrauchte Bar prüfen
Eine gebrauchte Controlbar wird vollständig ausgelegt und nicht nur fotografiert betrachtet. Prüfe:
- Risse, Druckstellen und lose Endstücke am Barholm
- ausgefranste Vorleinen und ungleich lange Flugleinen
- verschlissene Knoten, Schlaufen und Metallteile
- freie Bewegung von Tampen und Durchführungen
- Funktion und Rückstellung jedes Quick Release
- vollständige Safety Leash ohne beschädigte Nähte oder Karabiner
- Übereinstimmung von Artikelnummer, Modellgeneration und Anleitung
Ein ausgelöster Sicherheitsmechanismus muss sich nach Anleitung wieder korrekt montieren lassen. Sand, Salz und Korrosion können bewegliche Teile blockieren. Ein System, dessen Herkunft oder Funktion unklar ist, gehört nicht für einen Probeflug angeleint.
Erster Aufbau und Funktionstest
Baue die Matte bei wenig, gleichmäßigem Wind auf einer großen freien Fläche auf. Sichere sie am Boden, lege die Leinen vollständig aus und verfolge jede Leine vom Barende bis zum richtigen Anknüpfpunkt. Teste das Safety-System zunächst ohne Zug und danach so, wie es die Anleitung vorsieht.
Beim ersten Start bleibt eine erfahrene Hilfsperson an der Matte. Geübt wird hoch im Windfenster, wo die Zugkraft geringer ist als in der Powerzone. Rückwärtsgehen mit Blick nur auf den Kite ist gefährlich; hinter dem Piloten muss ebenfalls freie Fläche liegen. Die vollständigen Sicherheitsregeln für Lenkmatten gelten unabhängig davon, wie komfortabel die Bar wirkt.
Fazit: erst System, dann Bar
Für eine kleine Zweileiner-Matte kann eine passende einfache Controlbar bequem sein. Ein flugfertiges Modell mit Bar und Safety Leash ist sinnvoll, wenn alle Teile als abgestimmtes Set geliefert werden. Größere Safety- und Depower-Systeme verlangen dagegen exakt passende Leinen, Auslöser und Anschlusspunkte.
Kaufe deshalb nicht zuerst eine Bar und suche danach eine Matte. Beginne mit Modell und Einsatz, prüfe die Herstellerfreigabe und kontrolliere anschließend Breite, Leinen, Safety und Zustand. So wird die Bar zu einem passenden Steuerelement statt zu einer riskanten Bastellösung.
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