Drachenleine aufwickeln gelingt bei einem Zweileiner am saubersten gemeinsam und in einer Acht auf einen flachen Winder. Beide Leinen liegen als Paar nebeneinander, werden nur leicht gespannt und abwechselnd diagonal um die zwei Enden des Winders geführt. Beim nächsten Aufbau wickelst du sie exakt in umgekehrter Richtung wieder ab. So bleiben linke und rechte Leine zusammen, sammeln weniger Eigendrehung und lassen sich ohne Leinenhaufen auslegen.
Wichtig ist nicht, an welchem Ende grundsätzlich „immer“ begonnen wird. Entscheidend ist ein durchgängiger Ablauf: Wer beim Einpacken von den Griffschlaufen zum Drachen wickelt, beginnt beim nächsten Aufbau am Drachen und läuft beim Abwickeln zurück zu den Schlaufen. Auch die umgekehrte Reihenfolge kann mit einem passenden Set funktionieren. Wechselst du jedoch zwischendurch die Richtung, drehst den Winder oder wirfst die Leinen als Bündel aus, entsteht schnell der bekannte Leinensalat.
Warum die Achterwicklung besser als eine Rolle funktioniert
Beim kreisförmigen Aufrollen um Hand, Spule oder Winder erhält die Leine mit jeder Runde eine zusätzliche Drehung um ihre eigene Achse. Das fällt beim Aufwickeln kaum auf. Beim Auslegen bilden sich dann Schlaufen, Kringel und scheinbare Knoten. Die Achterwicklung wechselt dagegen fortlaufend die Richtung. Die Drehung der einen Hälfte wird durch die nächste weitgehend ausgeglichen.
Ein geeigneter Winder ist flach, besitzt zwei breite Wickelenden und hat glatte Kanten. Haken oder Schlitze können die Griffschlaufen aufnehmen. Ein Gummizug sichert das fertige Paket. Klettband sollte die Flugleinen nicht berühren: Die Haken können feine Fasern aufrauen und einzelne Filamente herausziehen. Auch scharfe Grate, enge Kerben und improvisierte Metallteile sind ungeeignet.
Vor dem Aufwickeln: Drachen landen und Leinen entlasten
Lande den Zweileiner kontrolliert am Rand des Windfensters und sichere Lenkmatte oder Gestängedrachen gegen erneutes Starten. Erst danach legst du die Handschlaufen nebeneinander und gibst den Leinen etwas Spiel. Auf gespannte Leinen darf niemand treten oder greifen. Dünne Flugleinen können unter Last schneiden und sich gegenseitig beschädigen.
Gehe beide Leinen kurz mit den Augen ab. Entferne Gras und kleine Zweige ohne kräftiges Ziehen. Ein echter Knoten wird zuerst vollständig entlastet und dann vorsichtig mit den Fingern gelöst. Ziehst du ihn fest, wird er kleiner, belastet die Faser punktuell und lässt sich später kaum noch öffnen. Beschädigte oder stark aufgeraute Leinen gehören nicht einfach zurück auf den Winder.
Wenn du den vollständigen Ablauf vom Auslegen bis zur Landung suchst, lies ergänzend unsere Lenkmatten-Anleitung.
Zweileiner-Leinen Schritt für Schritt aufwickeln
1. Beide Schlaufen zusammennehmen
Lege die linke und rechte Griffschlaufe sauber übereinander. Viele Winder besitzen kleine Haken oder Langlöcher, in denen sich die Schlaufen fixieren lassen. Fehlt eine solche Aufnahme, halte beide Schlaufen zunächst zusammen mit dem Winder in derselben Hand. Die Leinen sollen ab jetzt als paralleles Paar behandelt werden.
2. Winder eindeutig ausrichten
Wähle eine Vorderseite und eine Hand, in der du den Winder hältst. Diese Ausrichtung behältst du beim Wickeln bei. Eine farbige Markierung oder die feste Zuordnung „rote Schlaufe links“ hilft, wenn beide Seiten des Winders gleich aussehen. Drehst du den Winder während des Vorgangs mehrfach um, bringst du trotz Achterbewegung zusätzliche Verwindungen in das Set.
3. Mit leichter Spannung in Achten wickeln
Führe das Leinenpaar diagonal zum gegenüberliegenden Ende des Winders, um die Rückseite und anschließend diagonal zum anderen Ende zurück. Von vorn betrachtet entsteht wiederholt eine Acht. Eine Hand hält den Winder, die andere führt beide Leinen nebeneinander. Gehe dabei langsam in Richtung Drachen.
Die Leinen sollen glatt anliegen, aber nicht stramm gezogen werden. Zu hoher Wickeldruck kann sie an Kanten quetschen und den Winder verformen. Zu lockere Windungen rutschen dagegen übereinander. Ein gleichmäßiger Rhythmus mit wenig Zug ist besser als schnelles Kurbeln.
4. Vor dem Drachen stoppen und Enden lösen
Halte ungefähr eine Armlänge vor den Waagepunkten an. Löse zuerst den einen, dann den anderen Buchtknoten am Lenkdrachen, ohne an der freien Flugleine zu ziehen. Kontrolliere dabei, welche Leine links und welche rechts angeschlossen war. Farbige Mantelschnüre oder Schlaufen bleiben beim zugehörigen Ende.
Wickle die letzten Zentimeter ebenfalls in der Acht oder lege sie in die dafür vorgesehenen Schlitze. Sichere das Paket mit dem Gummizug des Winders. Der Gummi hält die Leinen fest, ohne direkt über scharfe Kanten zu ziehen. Lose Enden dürfen nicht aus der Tasche hängen, weil sie sich dort an Reißverschluss, Gestänge oder Waage verfangen.
Leinen beim nächsten Aufbau richtig abwickeln
Lege den Drachen gesichert mit der Rückseite nach oben beziehungsweise nach Herstelleranleitung aus. Löse den Gummi nur so weit, dass die beiden drachenseitigen Enden frei werden. Befestige sie wieder mit den vorgesehenen Buchtknoten an den korrekten Waagepunkten. Erst danach gehst du mit dem Winder in Richtung der späteren Pilotposition.
Halte den Winder in derselben Orientierung wie beim Aufwickeln. Lass das Leinenpaar kontrolliert von der Acht herunterlaufen, statt den Winder über den Boden zu werfen. Die Leinen werden ausgelegt, nicht als Haufen abgezogen. Bleibt eine Windung hängen, halte an und löse sie direkt. Ruckartiges Ziehen verwandelt eine harmlose Schlaufe in einen festen Knoten.
Am Ende nimmst du die beiden Griffschlaufen aus dem Winder. Lege sie zunächst parallel auf den Boden und spanne die Leinen nur leicht. Prüfe, ob beide Wege bis zum Drachen frei sind. Überkreuzen sich die Leinen lediglich einmal ohne Knoten, kann eine Schlaufe um die andere geführt werden. Liegt eine Leine mehrfach um die andere, gehe den Verlauf vom Griff aus zurück, statt am Drachen zufällig zu drehen.
Müssen beide Leinen gemeinsam aufgewickelt werden?
Für ein festes Zweileiner-Set ist das gemeinsame Wickeln meist die praktischste Lösung. Beide Leinen bleiben als Paar erhalten, werden gleichzeitig ausgelegt und lassen sich leichter auf gleiche Länge prüfen. Voraussetzung ist, dass sie beim Wickeln wirklich nebeneinander liegen und nicht fortlaufend umeinander geschlagen werden.
Getrennte Winder können sinnvoll sein, wenn Leinen häufig zwischen unterschiedlichen Drachen wechseln oder einzeln ausgetauscht werden. Dann muss jede Leine eindeutig beschriftet sein. Für Einsteiger entsteht dadurch eher mehr Sortierarbeit. Linke und rechte Leine sollten niemals aus beliebigen Sets mit anderer Länge, Dehnung oder Bruchlast zusammengestellt werden.
Gleiche Leinenlänge kontrollieren
Nach mehreren Flügen können sich Leinen minimal unterschiedlich setzen. Befestige beide drachenseitigen Schlaufen am selben festen, glatten Punkt und lege die Griffenden ohne Last nebeneinander. Die Schlaufen sollten auf gleicher Höhe enden. Ein deutlicher Unterschied führt dazu, dass der Drachen trotz neutraler Hände zu einer Seite zieht.
Längenanpassungen erfolgen nur über die dafür vorgesehenen Knotenleitern oder nach Vorgabe des Herstellers. Schneide nicht spontan ein Stück ab und knote keine einfache Schlaufe in die Flugleine. Knoten verringern lokal die Festigkeit. Wenn eine Leine beschädigt oder stark verkürzt ist, wird bei einem abgestimmten Zweileiner-Set in der Regel das Paar ersetzt.
Nasse, sandige oder verschmutzte Leinen lagern
Nach einer feuchten Wiese oder einem Flug am Strand darf das komplette Paket nicht wochenlang nass in der Tasche bleiben. Entferne Sand zunächst ohne Reibung. Bei Salzwasserkontakt kann das Set mit sauberem Süßwasser gespült und anschließend locker, schattig und vollständig getrocknet werden. Vermeide Heizkörper, aggressive Reiniger und langes Trocknen in direkter Sonne.
Wickle trockene Leinen anschließend wieder ordentlich auf. Prüfe den Bereich direkt hinter den Mantelschlaufen besonders sorgfältig, weil dort beim An- und Abknüpfen viel Bewegung entsteht. Ausgefranste Oberfläche, harte Knickstellen, beschädigte Mantelung oder auffällige Verdickungen sind Gründe für einen Austausch.
Häufige Fehler beim Auf- und Abwickeln
- Rund um die Hand wickeln: Das erzeugt Eigendrehung und belastet die Hand, falls der Drachen unerwartet Zug bekommt.
- Winder als Spule drehen: Gleichförmiges Rollen fördert Kringel; die Leinen gehören in eine wechselnde Acht.
- Leinen auf einen Haufen abziehen: Beim späteren Straffen ziehen sich lose Schlaufen durch andere Schlaufen.
- Winder wenden: Unterschiedliche Orientierung beim Auf- und Abwickeln fügt Verwindungen hinzu.
- Knoten unter Zug öffnen: Dadurch zieht sich der Knoten fest und die Faser wird punktuell belastet.
- Nasse Leinen fest einpacken: Feuchtigkeit, Sand und Schmutz bleiben im Set und erschweren die Kontrolle.
- Klett direkt an der Leine: Haken können feine Fasern beschädigen.
Fazit: Gleiche Richtung, gleiche Ordnung
Ein Zweileiner-Set bleibt übersichtlich, wenn beide Leinen gemeinsam in einer Acht gewickelt und beim nächsten Aufbau exakt rückwärts wieder ausgelegt werden. Beginne an einem klar festgelegten Ende, behalte Hand und Vorderseite des Winders bei und führe die Leinen mit leichter Spannung als paralleles Paar. Ob dein Set am Griff- oder Drachenende beginnt, ist weniger wichtig als die konsequent umgekehrte Reihenfolge beim Abwickeln.
Ein glatter Winder mit Schlaufenaufnahme und Gummizug kostet wenig, spart aber bei jedem Flug Zeit. Er schützt nicht vor jeder Beschädigung; die Sichtprüfung vor dem Start bleibt notwendig.
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