Ein altes Klettersteigset mit Seilbremse gehört nicht mehr auf den Klettersteig. Solche Reibungsbremsen oder Bremsplatten waren einmal eine übliche Form des Falldämpfers. Heute erfüllen die erkennbar alten V-Systeme nicht die Anforderungen, die an ein aktuelles Klettersteigset und seine fehlertolerante Bedienung gestellt werden.

Wenn du eine Lochplatte mit hindurchgeführtem Seilstück im Set findest, solltest du sie weder testen noch mit einem neuen Seil „modernisieren“. Stelle das Set außer Gebrauch und ersetze es durch ein vollständiges, zugelassenes Modell mit Bandfalldämpfer. Dieser Beitrag erklärt die Gründe sachlich und zeigt, woran du geeigneten Ersatz erkennst.

Was ist eine Klettersteig-Seilbremse?

Bei der alten Reibungsbremse läuft ein Seilstück in einer bestimmten Führung durch eine Metallplatte. Im Sturzfall soll das Seil durch die Platte gezogen werden. Die entstehende Reibung baut einen Teil der Sturzenergie ab. Deshalb heißen diese Bauteile auch Reibfalldämpfer, Seilfalldämpfer oder Bremsplatte.

Viele ältere Konstruktionen arbeiteten als V-System. Ein Sicherungsarm war zugleich Teil des Bremswegs. Damit die Bremse auslösen konnte, durfte bei dieser Bauart nur ein Karabiner im Stahlseil hängen. Blieben beide Arme eingehängt, konnte das System blockiert werden. Genau diese vom heutigen Standard abweichende Bedienlogik schafft eine gefährliche Verwechslungsgefahr.

Ein moderner Bandfalldämpfer ist anders aufgebaut. Hinter einer Schutzhülle liegt ein gefaltetes und definiert vernähtes Band. Bei einem ausreichend starken Sturz reißen die Nähte kontrolliert auf, das Band verlängert sich und begrenzt dadurch den Fangstoß. Zwei separate Lastarme mit automatisch verriegelnden Klettersteigkarabinern ermöglichen das heute übliche Y-System.

Warum alte Reibungsbremsen ausgedient haben

Der Deutsche Alpenverein bezeichnet Reibungsbremsen und V-Systeme ausdrücklich als veraltet. Wegen der möglichen Fehlbedienung entsprechen sie laut DAV nicht der aktuellen UIAA-Norm und sollen nicht mehr verwendet werden. Der sachliche Grund ist also nicht nur das Alter einzelner Exemplare, sondern die Kombination aus Konstruktion, Bedienung und schwer vorhersehbarem Materialzustand.

Bei Reibungsbremsen hängt der Bremsvorgang davon ab, wie das Seil durch die Platte läuft. Alterung und Verschleiß können das Seil steifer machen und die Reibung verändern. Eine DAV-Auswertung zu den Rückrufen von 2013 beschreibt, wie steigender Fangstoß und gleichzeitig sinkende Festigkeit gealterter Lastarme zu einer kritischen Kombination werden konnten.

Das bedeutet nicht, dass jedes historische Modell identisch versagt oder damals ohne jede Prüfung verkauft wurde. Es bedeutet aber, dass ein heute noch vorhandenes Reibungsbremsen-Set nicht durch Sichtprüfung, einen kurzen Zugversuch oder eine neue Aufbewahrungstasche verlässlich beurteilt werden kann. Nach vielen Jahren ist zudem die vom Hersteller vorgegebene Lebensdauer sehr wahrscheinlich überschritten.

Was die EN 958:2017 verbessert

Die aktuelle Produktkennzeichnung sollte auf EN 958:2017 verweisen. Diese Fassung hat mehrere Schwachstellen älterer Prüfvorgaben adressiert. Der vereinfachte EDELRID-Überblick zur EN 958 nennt unter anderem folgende Anforderungen:

  • Dynamische Prüfung mit 40 und 120 Kilogramm Fallmasse;
  • höchstens 3,5 kN Fangstoß bei 40 Kilogramm und 6 kN bei 120 Kilogramm im beschriebenen Prüfaufbau;
  • höchstens 220 Zentimeter Bremsweg;
  • Nässeprüfung mit 120 Kilogramm;
  • 50.000 Zyklen für elastische Lastarme vor der Festigkeitsprüfung;
  • gut sichtbare Anzeige, ob der Dämpfer ausgelöst hat;
  • verpflichtende Angaben zu Hersteller, Herstellungsjahr, Nutzergewicht und CE-Kennzeichnung.

Die Prüfwerte sind keine Versprechen für einen verletzungsfreien Sturz. Am Klettersteig kann der Körper gegen Fels, Sprossen oder Verankerungen prallen. Ein Set ist deshalb ein Notfallsystem, keine Einladung zum Fallen. Die Norm schafft jedoch einen wesentlich klarer definierten und breiteren Prüfrahmen als bei historischen Systemen.

Für die heute üblichen Sets gilt ein Gesamtgewicht aus Person und Ausrüstung von 40 bis 120 Kilogramm. Der aktuelle DAV-Ratgeber zur Klettersteigausrüstung weist darauf hin, dass Personen unter 40 Kilogramm zusätzlich mit Seil gesichert werden müssen. Lies immer auch den tatsächlich am Produkt angegebenen Gewichtsbereich.

So erkennst du ein altes problematisches Set

Typische Warnzeichen sind:

  • eine gelochte Metallplatte mit lose hindurchgeführtem Bremsseil;
  • ein V-förmiges System, bei dem ein Arm zugleich Bremsseil ist;
  • keine lesbare Kennzeichnung nach EN 958:2017;
  • fehlende oder unbekannte Gebrauchsanleitung;
  • unbekanntes Herstellungsjahr oder überschrittene Lebensdauer;
  • starre, stark aufgepelzte, verfärbte oder geknotete Lastarme;
  • Karabiner, die nicht mehr selbstständig und vollständig schließen;
  • ein Set aus Verleih, Keller oder Gebrauchtkauf mit unbekannter Belastungsgeschichte.

Eine einzelne Jahreszahl entscheidet nicht allein über jede ältere Bauart. Für die hier behandelte Kombination aus Reibungsbremse und V-System ist die Empfehlung jedoch eindeutig: nicht weiterverwenden. Ein altes Set wird auch nicht sicherer, wenn nur Karabiner, Seil oder Platte ausgetauscht werden. Die lasttragenden Komponenten sind als Gesamtsystem geprüft und dürfen nicht beliebig verändert werden.

Gefunden: Was jetzt?

Nimm das Set sofort aus der aktiven Ausrüstung und kennzeichne es deutlich als „nicht verwenden“. Falls es Bestandteil eines Rückrufs sein könnte, notiere Hersteller, Modell, Serien- oder Chargennummer und frage beim Hersteller nach. Die UIAA führt eine Übersicht gemeldeter Rückrufe und Sicherheitswarnungen, darunter auch die Rückrufwelle für Reibungsbremsen von 2013.

Verkaufe oder verschenke das alte Set nicht als persönliche Schutzausrüstung. Soll es nicht an Hersteller oder Händler zurück, mache es nach Klärung so unbrauchbar, dass niemand es versehentlich wieder einsetzt, und entsorge die Materialien nach den örtlichen Vorgaben. Hebe es nur dann als Anschauungsstück auf, wenn es dauerhaft als ungeeignet markiert und von nutzbarer Ausrüstung getrennt ist.

Ein selbst gebauter Reibfalldämpfer ist erst recht keine Alternative. Lochzahl, Seildurchmesser, Führung und ein subjektiv „kräftiges“ Durchziehen ergeben keine nachgewiesene Dämpfungsfunktion. Auch ein Kletterseil, Sicherungsgerät oder industrielles Verbindungsmittel ersetzt kein nach EN 958 geprüftes Klettersteigset.

Checkliste für ein aktuelles Ersatz-Set

Prüfe beim Neukauf nicht nur den Produktnamen. Auf Set und Anleitung sollten folgende Punkte nachvollziehbar sein:

  1. EN 958:2017 und CE-Kennzeichnung: Beides muss zum konkreten Produkt gehören.
  2. Gewichtsbereich: Körper, Kleidung, Rucksack und weitere Ausrüstung zählen zusammen.
  3. Herstellungsdatum und Lebensdauer: Die Frist beginnt nach der Definition des Herstellers, nicht nach Gefühl.
  4. Zwei vollständige Lastarme: Karabiner, elastische Arme, Bandfalldämpfer und Einbindeschlaufe bilden ein unverändertes System.
  5. Auslöseanzeige: Der Dämpfer muss sich nach Anleitung visuell kontrollieren lassen.
  6. Passende Karabiner: Beide sollen sich mit der eigenen Hand sicher öffnen, verschieben und selbstständig schließen lassen.
  7. Rückrufprüfung: Herstellerseite und UIAA-Liste mit Modell und Charge abgleichen.

Ein gebrauchtes modernes Set kann äußerlich gut aussehen und trotzdem bereits kritisch belastet worden sein. Bei unbekannter Vorgeschichte ist ein neues Set die vernünftigere Entscheidung. Der Beitrag zum Klettersteigset-Test und Vergleich hilft bei Karabinerform, Gewicht und Ausstattung; die Anleitung zum richtigen Anlegen des Klettersteigsets zeigt Einbindung und Partnercheck.

Vor jeder Tour kontrollieren

Öffne die Dämpferhülle so, wie es die Anleitung erlaubt, und prüfe Auslöseindikator, Band und Nähte. Der DAV weist darauf hin, dass ein Klettersteigset bereits bei teilweise geöffnetem Bandfalldämpfer ausgesondert werden muss. Kontrolliere Lastarme auf Schnitte, starke Aufpelzung, Verfärbung und Knoten. Beide Karabiner müssen ohne Schwung vollständig schließen.

Nach einem Sturz oder einer kritischen Belastung wird das Set nicht wieder zusammengefaltet. Es wird ersetzt beziehungsweise nach Herstellervorgabe geprüft. Lagere es trocken, vor Tageslicht, Hitze, Chemikalien und scharfen Gegenständen geschützt.

Bei der Benutzung bleiben normalerweise beide Lastarme am Stahlseil. An einer Verankerung wird nacheinander umgehängt, sodass immer mindestens ein Karabiner verbunden bleibt. Der freie Arm wird niemals an einem tragenden Teil des Gurts geparkt, weil dadurch der Bandfalldämpfer kurzgeschlossen werden kann.

Fazit

Eine Klettersteig-Seilbremse mit Lochplatte ist kein preiswerter Klassiker, den man mit neuem Seil wiederbeleben sollte. Alte V-Systeme verlangen eine abweichende, fehleranfällige Bedienung, ihr Materialzustand ist nach Jahren kaum belastbar einzuschätzen, und der DAV rät von ihrer Verwendung ausdrücklich ab.

Ersetze ein solches Set vollständig durch ein aktuelles Modell mit Bandfalldämpfer nach EN 958:2017. Prüfe Gewichtsbereich, Herstellungsdatum, Rückrufe, Auslöseanzeige, Lastarme und Karabiner. Erst das unveränderte Gesamtsystem erfüllt die Aufgabe, den Fangstoß in einem unvermeidbaren Sturz zu begrenzen.

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