Eine Lenkmatte fliegst du sicher, wenn Modell, Wind und Können zusammenpassen, das gesamte Flugfeld frei ist und du vor dem Start weißt, wie dein konkretes System drucklos wird. Starte nicht bei Gewitter, aufkommendem Unwetter oder böigem Starkwind. Halte Menschen, Tiere, Straßen, Stromleitungen und andere Drachen vollständig aus dem Flug- und Absturzbereich heraus.

Die folgenden Sicherheitsregeln gelten für kleine Zweileiner ebenso wie für kräftigere Vierleiner. Die Bedienung unterscheidet sich jedoch: Übernimm deshalb keine Notausstiegstechnik von einem anderen Modell, ohne sie mit der Anleitung deiner Lenkmatte abzugleichen.

1. Lenkmatte passend zu Pilot und Wind auswählen

Eine größere Matte erzeugt bei gleichem Wind meist mehr Zug als eine kleinere. Noch stärker wirkt sich zusätzlicher Wind aus: Die Belastung steigt nicht einfach gleichmäßig mit jedem Kilometer pro Stunde. Deshalb ist eine Lenkmatte, die bei leichtem Wind ruhig wirkt, bei einer Böe nicht automatisch beherrschbar.

Anfänger beginnen am unteren Ende des vom Hersteller genannten Windbereichs mit einem kleinen, gutmütigen Modell. Diese Angabe gilt immer für genau die betreffende Größe und Ausführung. Eine pauschale Empfehlung wie „große Matte für schwere Personen“ reicht nicht. Unsere Kaufberatung zur richtigen Lenkmattengröße ordnet Spannweite, Fläche, Zweileiner und Vierleiner genauer ein.

Sturm ist keine Disziplin für erfahrene Freizeitpiloten. Überschreitet der Wind den Bereich des Modells, bleiben Tuch und Leinen in der Tasche. Eine kleinere „Sturmmatte“ macht unberechenbare Böen, herumfliegende Gegenstände und brechende Äste nicht sicher.

2. Das gesamte Flugfeld freihalten

Der Drachen kann sich grundsätzlich in einem Halbkreis vor dem Piloten bewegen. Der Radius entspricht ungefähr der ausgelegten Leinenlänge. Dazu kommt Reserve: Der Pilot kann beim Start einige Schritte zurückgehen, unter Zug nach vorn versetzt werden und der Drachen kann seitlich oder hinter der geplanten Landestelle abstürzen.

Zehn zusätzliche Meter sind daher keine allgemeingültige Sicherheitsgarantie. Wähle eine Fläche, die deutlich größer als der reine Leinenhalbkreis ist. Vor, neben und hinter dir dürfen sich keine Menschen, Kinder, Hunde, Weidetiere, Zäune, Häuser, parkenden Fahrzeuge, Straßen, Gleise, Bäume oder Stromleitungen befinden. Ein freier Strand oder eine Wiese ist nur geeignet, wenn Eigentümer, Naturschutz-, Deich- und örtliche Regeln das Fliegen erlauben.

3. Zuschauer bleiben hinter dem Piloten

Passanten unterschätzen dünne Flugleinen häufig. Erkläre einer Hilfsperson vor dem Start, dass sie sich hinter dir oder weit außerhalb des Flugfelds aufhält. Niemand steht zwischen Pilot und Matte, läuft unter den Leinen hindurch oder versucht eine fliegende Matte einzufangen.

Gespannte Leinen können schneiden. Fasse niemals in eine belastete Leine, wickele sie nicht um Finger oder Hand und steige nicht über ausgelegte Leinen, solange ein Start möglich ist. Auch eine gerissene Leine ist nicht automatisch harmlos: Der Drachen kann einseitig beschleunigen, die zweite Leine kann weiter unter Zug stehen und freie Enden können sich bewegen.

4. Flugplätze und Leinenlänge rechtlich prüfen

In Deutschland ist das Steigenlassen von Drachen in weniger als 1,5 Kilometern Entfernung von der Begrenzung eines Flugplatzes grundsätzlich verboten, sofern keine Ausnahme zugelassen wurde. Bei mehr als 100 Metern Halteseil ist eine Erlaubnis der zuständigen Luftfahrtbehörde erforderlich. Das bedeutet nicht, dass bis 100 Meter überall automatisch geflogen werden darf.

Prüfe zusätzlich lokale Verbote, Schutzgebiete, Veranstaltungen und besondere Luftraumregeln. Bleibt die Lage unklar, suchst du einen eindeutig zulässigen Platz. Flugzeuge, Hubschrauber, Rettungseinsätze und landwirtschaftliche Arbeiten haben Vorrang; die Matte wird frühzeitig gelandet und gesichert.

5. Wetter vor und während des Flugs beobachten

Prüfe nicht nur eine Stundenprognose, sondern auch aktuelle Warnungen, Böen und die Wolkenentwicklung. Bei Gewittergefahr, hörbarem Donner, sichtbaren Blitzen oder rasch aufziehendem Unwetter wird nicht gestartet. Ist die Matte bereits oben, landest du frühzeitig und suchst Schutz in einem geeigneten Gebäude oder Fahrzeug.

Regen, nasse Leinen und Kunstfasern sind nicht der entscheidende Maßstab für Blitzgefahr. Schon das offene Gelände, die Leinen und der aufragende Drachen machen das Experiment unvertretbar. Gewitter bringen außerdem Starkregen, Hagel und heftige Böen. Die sichere Regel ist deshalb schlicht: kein Drachenflug bei Gewitter oder aufkommendem Unwetter.

6. Tuch, Waage und Leinen vor jedem Start kontrollieren

Breite die Matte vollständig aus. Suche nach Rissen, offenen Nähten, beschädigten Eintrittskanten und Fremdkörpern in den Kammern. Verfolge die Waageleinen von den Anknüpfpunkten bis zu den Flugleinen. Keine Leine darf um eine andere geschlungen, stark aufgeraut, angeschnitten oder verknotet sein.

Prüfe Handles, Schlaufen, Knoten und alle Anschlüsse. Links und rechts müssen zum Schema des Herstellers passen. Lege die Leinen vollständig aus, bevor Zug auf die Matte kommt. Wie das bei einem kleinen Zweileiner geordnet funktioniert, zeigt unsere Aufbau- und Startanleitung für Zweileiner-Lenkmatten.

7. Sicherheitsfunktion am Boden verstehen

„Eine Handschlaufe loslassen“ ist keine universelle Notfallregel. Bei vielen kleinen Zweileinern nimmt das gleichzeitige Loslassen beider Schlaufen viel Steuerung und Druck aus dem System, trotzdem können Matte und Leinen noch unkontrolliert weiterlaufen. Ein Kite-Killer hält gegebenenfalls eine Seite zurück. Er muss exakt passend angeschlossen und nach Herstellerangabe benutzt werden.

Vierleiner mit Quad Handles reagieren anders. Bremsleinen, Handle-Schlaufen oder ein vorgesehenes Sicherungssystem bestimmen, wie die Matte drucklos wird. Eine improvisierte Handschlaufe kann den Notausstieg sogar behindern. Lies die Anleitung, lasse dir das System zeigen und übe den vorgesehenen Ablauf bei sehr leichtem Wind mit großer freier Fläche.

8. Start mit klarer Absprache

Eine Hilfsperson hält die Matte an den richtigen Punkten und wartet auf ein eindeutiges Startsignal. Der Pilot prüft vorher, ob alle Leinen frei sind und niemand das Flugfeld betreten hat. Bei einem Zweileiner beginnt der erste Start am Rand des Windfensters oder mit möglichst wenig Zug, nicht mit einer aggressiven Bewegung durch die kräftige Mitte.

Schießt die Matte schief hoch, ziehst du nicht reflexartig stärker an beiden Seiten. Bewege dich gegebenenfalls kontrolliert auf die Matte zu, lenke sie zum Rand und lande. Verwickelte Waageleinen werden am Boden sortiert, niemals unter Last.

9. Flugbereich und Powerzone respektieren

Direkt in Windrichtung vor dir liegt der zugkräftigste Bereich des Windfensters. Schnelle Kurven und tiefe Durchflüge können dort erheblich mehr Kraft erzeugen als ruhiges Fliegen am Rand. Anfänger üben deshalb zuerst kleine Lenkbewegungen, weite Achten und kontrollierte Landungen. Weitere Grundlagen stehen in unseren zehn Tipps zum Lenkmattenfliegen.

Halte die Hände ruhig und korrigiere mit kleinen Wegen. Ziehe nicht dauerhaft mit dem ganzen Körper nach hinten. Musst du gegen die Matte kämpfen, rutschst du oder kannst nicht mehr entspannt stehen, ist die Kombination aus Modell und Wind zu stark.

10. Unkontrollierten Zug sofort beenden

Gerät die Matte außer Kontrolle, hat das frühzeitige Druckreduzieren Vorrang vor dem Versuch, einen Absturz um jeden Preis zu verhindern. Nutze das geübte Sicherheitssystem. Ein beschädigtes Tuch ist ersetzbar; eine Person im Flugfeld nicht.

Nach einer harten Landung gehst du kontrolliert auf die Matte zu, bis die Leinen drucklos sind. Eine Hilfsperson sichert das Tuch gegen einen unbeabsichtigten Wiederstart. Erst dann legst du Handles oder Schlaufen ab und kontrollierst das Material erneut. Leinen bleiben niemals gespannt über einen Weg liegen.

11. Springen und Fahren sind eigene Sportarten

Eine normale Lenkmatte und ihre Handschlaufen sind keine Einladung zum Springen. Absichtliche Sprünge, Body-Dragging, Buggy- oder Boardfahren benötigen passende Traction-Kite-Ausrüstung, Ausbildung, Schutzkonzept und ein dafür geeignetes Gelände. Knie-, Ellbogen- oder Rückenprotektoren machen eine ungeeignete Matte und falsche Technik nicht sicher.

Kinder fliegen nur altersgerechte Modelle innerhalb der Herstellerangaben und unter unmittelbarer Aufsicht. Die erwachsene Aufsichtsperson muss das System selbst beherrschen und jederzeit das Flugfeld kontrollieren können.

Kurzer Sicherheitscheck vor jedem Start

  • Wind und Böen liegen im Bereich des konkreten Modells.
  • Gewitter und aufkommendes Unwetter sind ausgeschlossen.
  • Flugfeld, Laufweg und Absturzreserve sind vollständig frei.
  • Flugplatzabstand, Leinenlänge und örtliche Regeln sind geklärt.
  • Tuch, Waage, Flugleinen, Knoten und Griffe sind unbeschädigt.
  • Hilfsperson und Zuschauer kennen ihren sicheren Standort.
  • Das Sicherheitssystem wurde passend zum Modell geprüft und geübt.
  • Die Matte lässt sich bei den aktuellen Bedingungen kontrolliert landen.

Sobald ein Punkt nicht erfüllt ist, wird nicht gestartet. Diese Entscheidung ist kein verlorener Flugtag, sondern die wichtigste Sicherheitsregel im Drachensport.

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Prüfe vor dem Kauf immer Windbereich, Altersempfehlung und Lieferumfang der konkreten Variante.